SPD und CDU planen für die Zeit nach der Kohleförderung

Wirtschaftsförderungsausschuss will Projektbüro einrichten
Die beiden großen Ratsfraktionen von CDU und SPD stellen sich auf die Zeit nach dem Auslaufen der Kohlesubvention ein. Während der jüngsten Sitzung des Wirtschaftsförderungsausschusses einigten sie sich auf ein Vorgehen, um sich für die Zeit nach 2018 zu wappnen. Ausschussvorsitzender Hermann Hirschfelder (CDU), Oberbürgermeister Peter Noetzel und Ausschussmitglied Renate Palberg (SPD) erläuterten in einer Pressekonferenz die Ideen.

In den nächsten Wochen soll eine Sondersitzung des Wirtschaftsförderungsausschusses klären, wo die konkreten Zukunftspotentiale für die Stadt liegen. Einig sind sich die beiden großen Parteien, ein eigenes Projektbüro zu gründen. Direkt dem Oberbürgermeister unterstellt, soll dort die koordinierende Arbeit für das Zukunftsprogramm geleistet werden. "Wir müssen eine Antwort auf die Frage finden, welche Rolle unsere Stadt im Ruhrgebiet und in NRW künftig haben soll", sagt Hermann Hirschfelder. Der für 2018 absehbare Ausstieg aus der Kohleförderung sei dabei nur ein "beschleunigendes Element".

Zu den möglichen Antworten Hirschfelders gehören die Ansiedlung einer Fachhochschule für Bergbau- und Wasserstofftechnik und die Entwicklung der Zeche Prosper Haniel zum Technologiestandort. Er betont die Notwendigkeit von Kooperationen, um in Bottrop neue Gewerbeflächen und Arbeitsplätze zu schaffen. "Wenn wir versuchen, den Brocken allein zu bewältigen, drohen wir uns zu verschlucken", sagt Hirschfelder. Er setzt auf eine breite Beteiligung von Politik, Verwaltung, Hochschulen und Unternehmen.

Oberbürgermeister Peter Noetzel betont die Potentiale in der Wasserstofftechnologie. "Weder das technisch Machbare, noch die Wirtschaftlichkeit sind hier ausgereizt", sagt Peter Noetzel und betont damit den bestehenden Forschungsbedarf. Mit der Anlage in der Welheimer Mark habe Bottrop eine gute Ausgangslage, um hier mit Partnern weiteres Knowhow zu schaffen. "RWE wäre hierfür ein guter und finanzstarker Partner", sagt Noetzel, der bereits Kontakte mit dem Energiekonzern geknüpft hat.

Noetzel betont die Einbindung Bottrops in die Region. Im Bergbau seien 6.000 Menschen beschäftigt. Weitere 9.000 Arbeitsplätze gäbe es bei Zulieferfirmen. "Wir werden nicht jedem verlorenen Kohle-Arbeitsplatz einen neuen entgegenstellen können. Dies kann nur regional geschehen", sagt der Oberbürgermeister. Das Potential für neue Arbeitsplätze sieht er in den Nachbarstädten des Ruhrgebiets. Die dafür notwendigen Projekte sollen mit Mitteln der EU und des Landes gefördert werden.

Renate Palberg betont, dass die SPD durchaus noch die Erwartung habe, dass der Bergbau in Bottrop über 2018 hinaus bestehen bleibe. Angesichts der steigenden Energiepreise könne der Ausstiegsbeschluss noch gekippt werden. "Prosper Haniel arbeitet bereits heute fast wirtschaftlich", sagt sie. Dennoch plädiert sie für einen möglichst frühen Start des Zukunftsprojekts 2018: "Wir müssen für die Zukunft planen. Das sind wir den Menschen schuldig."

(24.01.2008)