Sichtbarer Wandel für eine gesicherte Zukunft
Beim Neujahrsempfang hat Oberbürgermeister Bernd Tischler Zuversicht verbreitet. Bei Medien, Unternehmen und der Wissenschaft wachse das Interesse an Bottrop. Neben InnovationCity und der Hochschule Ruhr West werde der laufende Strukturwandel beobachtet. "Es gibt eine absolut positive Wahrnehmung unserer Stadt. Lassen sie uns was draus machen", sagte Bernd Tischler.
Rund 300 geladene Gäste kamen zum Neujahrsempfang ins Brauhaus in Kirchhellen. Die Vertreter aus unterschiedlichen Verbänden, der Wirtschaft und ehrenamtlichen Organisationen stimmten den Einschätzungen Bernd Tischlers mit anhaltendem Beifall zu. In seiner etwa 30-minütigen Neujahrsrede ging Tischler auf die verschiedenen Projekte ein, die die kommunalpolitische Arbeit in diesem Jahr prägen werden. Unter dem Motto "Elektromobilität wird real" soll ein System mit Elektrofahrzeugen entstehen, das sowohl für die private Nutzung, wie auch für Unternehmen zur Verfügung steht. "Smart Cities" ist der Titel eines weiteren Projekts. Mit EU-Fördermitteln sollen 100 Gebäude mit einem neuen Energieversorgungs- und -verwendungskonzept ausgestattet werden. Im Mittelpunkt des ökologischen Umbaus wird weiterhin die InnovationCity stehen. "Alle Entwicklungen, die wir in Bottrop anstoßen, haben ein Ziel: Sichtbaren Wandel für eine gesicherte Zukunft", betonte Tischler.
Am Rande des Neujahrsempfangs gab es viele Gelegenheiten zum Gedankenaustausch. Bernd Tischler (links) unterhält sich hier mit dem frühreren Eon-Vorsitzenden Wulf Bernotat.
Zur Zukunftsfähigkeit Bottrops gehöre eine kontinuierliche Stadterneuerung, so Tischler. Dies sei gar eine Pflichtaufgabe, um geänderten Ansprüchen beim Wohnen, dem Einkaufsverhalten und dem Wunsch nach Mobilität gerecht zu werden. Schwerpunkte sind weiterhin die Stadtteile Ebel, Lehmkuhle und Welheimer Mark. Für die Innenstadt kündigte Tischler an, dass in diesem Jahr mit dem Umbau des Hansazentrums begonnen werde. "Die Zeichen stehen zurzeit wirklich gut, dass es dort endlich losgeht", so Tischler. Zu den bleibenden Aufgaben aus den Vorjahren gehöre die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. 8.500 Menschen in Bottrop suchten über die Agentur für Arbeit einen Arbeitsplatz. Zwar sei es dem Jobcenter gelungen, im vergangenen Jahr 1.800 Menschen in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln und damit die Zielvorgaben der Bundesagentur zu übertreffen. "Es bleiben aber viel zu viele, denen der Schritt in Arbeit nicht gelingt", stellte Tischler heraus. In seiner Rede ging der Oberbürgermeister speziell auf die Bereiche Kultur, Sport und Bildung ein. "In unserer Wissensgesellschaft ist Bildung der Zukunftsfaktor", sagte er. Jedem Kind die bestmöglichen Chancen zu geben, sei einer seiner Handlungsschwerpunkte. Er warnte davor, bei der Bildung den Rotstift anzusetzen. Tischler: "An diesem Ast zu sägen, würde uns sehr tief fallen lassen." Zufrieden ist der Oberbürgermeister mit der Entwicklung der Hochschule Ruhr West. Die Zahl der Studenten und Professoren wachse kontinuierlich. "Demnächst wird der Spatenstich für den Neubau des Gebäudekomplexes für den Campus Bottrop stattfinden", kündigte Tischler das absehbare Ende eines Provisoriums an. Zurzeit ist die Fachhochschule an der Tannenstraße untergebracht.
Rund 300 Gäste kamen zum Neujahrsempfang in das Brauhaus Kirchhellen.
Der OB ging in seiner Rede auch auf die schwierige Finanzsituation ein: "Das Wort 'Schulden' ist mein ganz persönliches Unwort des Jahres." Bei einem zu erwartenden Defizit von 39,3 Millionen Euro sei der städtische Haushalt in diesem Jahr nicht genehmigungsfähig. Für Bottrop bedeute dies, dass nur Ausgaben getätigt werden dürfen, zu denen die Stadt rechtlich verpflichtet sei. Selbst Fördermittel des Landes könnten dann nicht mehr in Anspruch genommen werden, wenn hierfür ein noch so kleiner Eigenanteil der Stadt aufgebracht werden müsse. "Die Finanzierung der Eigenanteile stellt uns bereits jetzt vor große Probleme und ist ein echtes Investitionshindernis", erläuterte Tischler. Es lasse sich nicht verhindern, dass die desolate Finanzlage bis in den Alltag der Bürger durchschlage. So sei mit der Schließung der Stadtteilbibliothek in Boy der Spardruck sichtbar geworden. Zwar gebe es die Bereitschaft des Landes, den verschuldeten Kommunen zu helfen, doch sei dies an Bedingungen geknüpft. "Das wird kein Sonntagspaziergang, sondern ein bitterer Weg", sagte Tischler mit Blick auf die laufenden Diskussionen um den Etat für 2012 voraus.
In seiner Rede dankte Bernd Tischler den zahlreichen Bürgern, die sich ehrenamtlich in Vereinen engagieren. "Ich weiß sehr genau, dass unser Bottrop das Werk all derer ist, die sich der Stadt und seinen Menschen verbunden fühlen und bereit sind, ihren Teil beizutragen." 2009 wurde Tischler zum Oberbürgermeister gewählt. Seitdem habe er viele engagierte Menschen kennengelernt und eine hohe Anerkennung für deren Arbeit gewonnen.
Trotz Schwierigkeiten, die Bottrop in den kommenden Jahre zu meistern habe, wirbt Bernd Tischler für Zuversicht: "Es muss für Bottrop nicht der große Einzelerfolg sein. Für die Stadt ist es gut, wenn die Zukunft von vielen getragen wird."
(27.01.2012)