"Sonnenuntergänge waren nichts für uns"
Die Fotografin Hilla Becher eröffnet ihre Ausstellung "Zechen und Hütten"
Für ein ungewöhnliches Medieninteresse im Museum Quadrat sorgte die Fotografin Hilla Becher (rechts).
Selten erlebt das Museum Quadrat ein solches Medienaufgebot. Rund 50 Journalisten sind in das Museum gekommen, um sich vorab die Ausstellung "Bergwerke und Hütten" des Fotografenpaars Bernd und Hilla Becher anzusehen. Hilla Becher kam selbst zur Eröffnungspressekonferenz und erklärte die Arbeitsweise des Ehepaars.
Ihr Mann Bernd stammte aus dem Siegerland und hatte verschiedene Techniken ausprobiert, die dortige Industriearchitektur künstlerisch zu dokumentieren, bevor er in der Fotografie die geeignete Methode fand. Bei der gemeinsamen Arbeit sei ihr Mann sehr zielgerichtet vorgegangen. Während sie als Fotografin das Konzept durchaus aufgebrochen hatte, habe sich ihr Mann strikt an die vorgesehene Erfassung der Typologie von Industriebauten und Fachwerkhäusern gehalten. Die Arbeit zeichnet sich dadurch aus, dass die Gebäude aus einer leicht erhöhten Perspektive, bei gleichbleibendem Licht und aus festgelegten Winkeln fotografiert wurden.
Museumsdirektor Dr. Heinz Liesbrock wies darauf hin, dass die Ausstellung im Museum insofern nicht die typischen Bilder des Fotografenpaars sind, als dass die Motive die Zechen und Hütten konzeptionell darstellen, statt sie an einzelnen Gebäuden festzumachen. Die 150 ausgestellten Fotografien zeigen die Anordnung von Industrieanlagen in Deutschland, Frankreich, den USA und den Beneluxländern.
Die ästhetischen und gestochen-scharfen Schwarz-Weiß-Aufnahmen haben einen dokumentarischen Wert. Viele der Anlagen sind mittlerweile abgerissen. Der künstlerische Anspruch soll dazu führen, dass sich die Menschen heute mit der Vergangenheit beschäftigen. Denn ohne die besondere Ästhetik würde sich heute niemand für die Bilder interessieren, so Hilla Becher.
Die 75-jährige Fotografin reist noch heute zu verschiedenen Industrieanlagen, um sie zu fotografieren. Ab und zu besucht sie auch frühere Wirkungsstätten, die sie gemeinsam mit ihrem 2007 gestorbenen Mann Bernd fotografiert hat. Dass oft von den alten Anlagen nichts mehr zu sehen ist, nimmt sie gelassen. "Was soll man tun? Das Leben geht weiter", sagt die Künstlerin. Sie habe durchaus Verständnis dafür, dass man "nicht alles unter Denkmalschutz stellen kann". Schließlich habe der Stahl, der auf den Zechenanlagen verbaut wurde, einen erheblichen Schrottwert für die Eigentümer.
Die ausgebildete Fotografin Hilla Becher ist in Potsdam aufgewachsen. "Ich habe fotografiert, was schön war", sagt sie. Dazu zählt das Schloss Sanssouci. In den späten 1950er-Jahren kam sie in das Ruhrgebiet und war von der quirlig-lebendigen Industrielandschaft beeindruckt. "Das Ruhrgebiet ist wahnsinnig interessant. Das kann man fotografieren", schildert sie ihren damaligen Enthusiasmus. Aber sie stand vor ganz praktischen Hürden: "Wer lässt einen in die Anlage hinein?" Dabei half ihr Mann, der die Kontakte pflegte. "Es war eine Männerwelt", sagt sie heute.
Mit ihrem Mann entwickelte sie das strenge Konzept ihrer Fotoarbeiten. Dabei mussten sie oft drei- bis fünfmal an einen Ort fahren, bis sie die idealen Bedingungen vorfanden. Für das einzelne Foto habe sich das nicht gelohnt, räumt sie ein. Für das Ehepaar kam es aber nicht in Frage, von dem Konzept abzuweichen. "Es macht keinen Spaß, Schnappschüsse zu machen. Stimmungen zu fotografieren ist langweilig", erklärt sie. Und: "Sonnenuntergänge waren nichts für uns."
Ihnen ging es um Genauigkeit. "Man muss präzise sein, damit es im Gehirn ankommt", sagt Hilla Becher. Dafür hat sich das Künstlerpaar mit der Funktionsweise der Anlagen beschäftigt. Es mache einen Unterschied für ihre Arbeit, ob eine Zeche die Kohle aus wenigen hundert Meter zu Tage fördere oder die Anlage über tausend Meter tief in die Erde reicht. Bei ihrer Arbeit stand ihnen zuletzt der Strukturwandel entgegen. Immer mehr Anlagen wurden geschlossen und abgerissen. Sie hatten immer weniger Zeit, die Anlagen zu fotografieren. Heute ist Hilla Becher damit beschäftigt, die Fotografien zu ordnen und mit technischen Angaben zu versehen.
Zu den Aufnahmen in der Ausstellung gehören auch Fotografien der Bottroper Zechen Prosper II und Prosper III.
Ihr Mann Bernd stammte aus dem Siegerland und hatte verschiedene Techniken ausprobiert, die dortige Industriearchitektur künstlerisch zu dokumentieren, bevor er in der Fotografie die geeignete Methode fand. Bei der gemeinsamen Arbeit sei ihr Mann sehr zielgerichtet vorgegangen. Während sie als Fotografin das Konzept durchaus aufgebrochen hatte, habe sich ihr Mann strikt an die vorgesehene Erfassung der Typologie von Industriebauten und Fachwerkhäusern gehalten. Die Arbeit zeichnet sich dadurch aus, dass die Gebäude aus einer leicht erhöhten Perspektive, bei gleichbleibendem Licht und aus festgelegten Winkeln fotografiert wurden.
Museumsdirektor Dr. Heinz Liesbrock wies darauf hin, dass die Ausstellung im Museum insofern nicht die typischen Bilder des Fotografenpaars sind, als dass die Motive die Zechen und Hütten konzeptionell darstellen, statt sie an einzelnen Gebäuden festzumachen. Die 150 ausgestellten Fotografien zeigen die Anordnung von Industrieanlagen in Deutschland, Frankreich, den USA und den Beneluxländern.
Die ästhetischen und gestochen-scharfen Schwarz-Weiß-Aufnahmen haben einen dokumentarischen Wert. Viele der Anlagen sind mittlerweile abgerissen. Der künstlerische Anspruch soll dazu führen, dass sich die Menschen heute mit der Vergangenheit beschäftigen. Denn ohne die besondere Ästhetik würde sich heute niemand für die Bilder interessieren, so Hilla Becher.
Die 75-jährige Fotografin reist noch heute zu verschiedenen Industrieanlagen, um sie zu fotografieren. Ab und zu besucht sie auch frühere Wirkungsstätten, die sie gemeinsam mit ihrem 2007 gestorbenen Mann Bernd fotografiert hat. Dass oft von den alten Anlagen nichts mehr zu sehen ist, nimmt sie gelassen. "Was soll man tun? Das Leben geht weiter", sagt die Künstlerin. Sie habe durchaus Verständnis dafür, dass man "nicht alles unter Denkmalschutz stellen kann". Schließlich habe der Stahl, der auf den Zechenanlagen verbaut wurde, einen erheblichen Schrottwert für die Eigentümer.
Die ausgebildete Fotografin Hilla Becher ist in Potsdam aufgewachsen. "Ich habe fotografiert, was schön war", sagt sie. Dazu zählt das Schloss Sanssouci. In den späten 1950er-Jahren kam sie in das Ruhrgebiet und war von der quirlig-lebendigen Industrielandschaft beeindruckt. "Das Ruhrgebiet ist wahnsinnig interessant. Das kann man fotografieren", schildert sie ihren damaligen Enthusiasmus. Aber sie stand vor ganz praktischen Hürden: "Wer lässt einen in die Anlage hinein?" Dabei half ihr Mann, der die Kontakte pflegte. "Es war eine Männerwelt", sagt sie heute.
Mit ihrem Mann entwickelte sie das strenge Konzept ihrer Fotoarbeiten. Dabei mussten sie oft drei- bis fünfmal an einen Ort fahren, bis sie die idealen Bedingungen vorfanden. Für das einzelne Foto habe sich das nicht gelohnt, räumt sie ein. Für das Ehepaar kam es aber nicht in Frage, von dem Konzept abzuweichen. "Es macht keinen Spaß, Schnappschüsse zu machen. Stimmungen zu fotografieren ist langweilig", erklärt sie. Und: "Sonnenuntergänge waren nichts für uns."
Ihnen ging es um Genauigkeit. "Man muss präzise sein, damit es im Gehirn ankommt", sagt Hilla Becher. Dafür hat sich das Künstlerpaar mit der Funktionsweise der Anlagen beschäftigt. Es mache einen Unterschied für ihre Arbeit, ob eine Zeche die Kohle aus wenigen hundert Meter zu Tage fördere oder die Anlage über tausend Meter tief in die Erde reicht. Bei ihrer Arbeit stand ihnen zuletzt der Strukturwandel entgegen. Immer mehr Anlagen wurden geschlossen und abgerissen. Sie hatten immer weniger Zeit, die Anlagen zu fotografieren. Heute ist Hilla Becher damit beschäftigt, die Fotografien zu ordnen und mit technischen Angaben zu versehen.
Zu den Aufnahmen in der Ausstellung gehören auch Fotografien der Bottroper Zechen Prosper II und Prosper III.
Öffnungszeiten
Die Ausstellung ist vom 7. Februar bis zum 2. Mai im Josef Albers Museum Quadrat, Im Stadtgarten 20, zu sehen. Die Öffnungszeiten sind dienstags bis samstags von 11 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags von 10 bis 17 Uhr. Montags ist das Museum geschlossen. Der Eintritt kostet sechs Euro, ermäßigt vier Euro.(05.02.2010)

