Bottroper Spezialitäten für das Kulturhauptstadtjahr 2010
Bottrop ist bisher in 21 Schwerpunktvorhaben der "Ruhr.2010" (z.B. Emscherpark-Autobahn, Rhein-Herne-Kulturkanal und Emscherinsel) und in vier Kooperationsprojekte wie die "Extraschicht - Nacht der Industriekultur" und "JEKI (Jedem Kind ein Instrument)" eingebunden. Zum "Appetitanregen" werden hier einige der besonderen Projekte und ein Ausschnitt der bisher geplanten Bottroper Spezialitäten vorgestellt.
In Bottrop startet das Kulturhauptstadtjahr mit einer Ausstellung vom 18. Dezember 2009 bis zum 14. Februar 2010: "Dem Ruhri sein Revier" beschäftigt sich unter einem ironisch-liebevollen Blickwinkel in der Galerie im Kulturzentrum August Everding mit bekannten Orten des Ruhrgebietes. Das heißt, die Ausstellung nimmt in 50 Plakat-Motiven den Betrachter mit auf eine Reise durch die Erlebnislandschaft Ruhrgebiet.
Mit zwei Neujahrskonzerten wird in 2010 das internationale Festival "Orgel PLUS" eröffnet. Das bis zum 17. Januar dauernde Festival - oft kopiert, nie erreicht - ist ein Genuss für Liebhaber der Königin der Instrumente aber natürlich auch für alle anderen Musikbegeisterten von Nah und Fern. Bei 18 Konzerten und in drei Gottesdiensten werden teilweise äußerst ungewöhnliche Programme in Kombination mit der Orgel geboten. Nähere Informationen im Internet unter http://www.orgelplus.de/.
Das Josef Albers Museum Quadrat ist einbezogen in das Großprojekt "Mapping the Region". In einem gemeinsamen Auftritt der großen Kunstmuseen im Ruhrgebiet wird in unterschiedlichsten Ausstellungen das Thema "Mapping" angegangen. Das Lesen einer Landschaft, eines Ortes und die künstlerische Auseinandersetzung mit Orten, Räumen und Wegen sind angezielt. Im Quadrat wird vom 7. Februar bis 2. Mai die Ausstellung "Landschaft" mit Werken des Fotografenpaares Bernd und Hilla Becher gezeigt. Sie arbeiten seit 40 Jahren an einer fotografischen Bestandsaufnahme von Gebäuden der Industriekultur, so genannter anonymer Architektur, in Europa und in den USA. Fabrikhallen, Wassertürme, Gasbehälter, aber auch Fachwerkhäuser gehören zu den Sujets.
Das nächste Festival lässt nicht lange auf sich warten: Der erste Teil der "Kasperiade" ist vom 7. bis 9. März an verschiedenen Veranstaltungsorten in Bottrop zu sehen. Der Kasper steht im Mittelpunkt des Geschehens bei diesem internationalen Figurentheaterfestival. Der Kasper ist eine europäische Integrationsfigur und ein Symbol für souveräne Kritik an der Obrigkeit. Den Kasper gibt es in ganz Europa (wenn auch unter unterschiedlichem Namen) und das seit Jahrhunderten. Bei der Kasperiade wird die "lustige" Figur einmal genauer unter die Lupe genommen: So heißt die Überschrift des Programms im März "Die lustige Figur und die Politik". Weitere Teile der Veranstaltungsreihe sind vom 5. bis 10. September unter dem Titel "Die lustige Figur im europäischen Vergleich" und vom 27. bis 29. November unter dem Motto "Die lustige Figur und ihre pädagogische Bedeutung" geplant.
Es folgen im Frühjahr besondere Jugendprojekte des städtischen Jugendamtes ("Ein Lied für Europa"), internationale Workshops zu Kleinkunstprojekten und immer wieder besondere Events, beispielsweise am 19. März ein ganz besonderer Chansonabend im Rahmen der "RuhrChansonnale". Vom 5. März bis zum 25. April zeigt das "junge museum" in seinen Räumlichkeiten im Hof des Kulturzentrums August Everding die Ausstellung "Architektur-Werk-Stadt", die sich der Auseinandersetzung von Kindern und Jugendlichen mit der Frage "Was ist eigentlich Architektur?" widmet.
Die Künstlerbünde des Ruhrgebietes führen ebenfalls ein gemeinsames Ausstellungsprojekt durch: es geht um "Starke Orte". Der Bottroper Künstlerbund gibt seiner Gemeinschaftsausstellung den Untertitel "ora et labora". Denn starke Orte in Bottrop sind nicht nur für dieses Projekt der Malakoffturm und die Heilig Kreuz Kirche. Sie stehen den Künstlern und Besuchern für Arbeit und Schau vom 10. bis 30. April offen.
Der Malakoffturm ist am 17. April auch der Veranstaltungsort für das von der Bottroper Musikschule organisierte Gitarrenkonzert "Bonjour de la Ruhr".
Natürlich wird der Tag des Buches am 23. April mit einer speziellen "Nacht der Literatur" in Bibliotheken, Cafes, Kneipen und Buchhandlungen speziell gewürdigt, ist doch das Lesen eine der ältesten Kulturtechniken überhaupt.
Und mit Literatur geht es weiter. Vom 6. bis zum 9. Mai hält der NRW-Schriftstellerverband in Bottrop seine "Literaturtage" ab. Das bedeutet mehr als 60 Lesungen in Kindergärten, Schulen, Kneipen, im Kammerkonzertsaal oder in Schrebergärten.
Während der "LiteraturTour" am 26. Juni werden die Teilnehmer zwischen 13 und 18 Uhr zu historisch bedeutenden Stätten gefahren: Nach dem Rastplatz "Neandertal" am Rhein-Herne-Kanal ist das Museum für Ur- und Ortsgeschichte mit einer Führung und einem Familien-Picknick im Stadtgarten das Ziel. Von der Vorgeschichte "reisen" die Teilnehmer in die Gegenwart zum Tetraeder und bekommen dort ein Open-air-Programm geboten. Am Klärwerk Bernemündung endet die Fahrt mit einer Krimi-Lesung der besonderen Art.
Am Abend des 26. Juni lockt das "Westfälische Kleinkunst- und Literaturfest" in das historische Bottroper Ruderhaus an den Rhein-Herne-Kanal. Anreisemöglichkeiten sind sowohl auf dem Land- als auch auf dem Wasserweg (Anleger "Santa Monika") möglich. Im besonderen Ambiente des Bootshauses bereitet Fernsehkoch Peter Schneider (Restaurant "La Botte") ein Mehrgängemenue zu. Für den kulturellen Hochgenuss zwischen den einzelnen Gängen sorgen die gebürtige Bottroper Schauspielerin Ulrike Kriener und die Kabarettistin Gerburg Jahnke. Den musikalischen Part des Abends übernimmt die Musikband "Quadro Nuevo". Zum Abschluss des Abends erleben die Gäste einen romantischen "Rhein-Herne KulturKanal: Die Besucher können sich verzaubern lassen von einem Arrangement aus Flößen, Musikdarbietungen und Feuerwerk.
Das Stadtarchiv Bottrop und das Museum für Ur- und Ortsgeschichte erstellen eine Ausstellung zum Thema "Fremd(e) - Feinde - Freunde. Franzosen an Emscher und Lippe", die den zeitlichen Rahmen vom 16. bis ins 21. Jahrhundert schlägt und viele Facetten der Beziehungen zwischen Frankreich und der Emscher-Lippe-Region anspricht. Die Ausstellung wird vom 9. Mai bis zum 11. Juli im Museum Quadrat und im Kulturzentrum August Everding gezeigt.
Weiter geht es in der "Bottroper Gospelnacht" am 15. Mai mit internationalen Chören - übrigens die größte Gospelnacht in Deutschland mit Gruppen aus Europa und den USA.
In einer der "spirituellen Kulturtankstellen" in Bottrop, der Heilig Kreuz Kirche, geht es bei der Ausstellung "Schätze! Kirchen des 20. Jahrhunderts" vom 1. bis 30. Juni um Wichtiges: Viele kirchliche Bauwerke, katholischer oder evangelischer Ausrichtung, sind in den vergangenen Jahren profaniert oder sogar abgerissen worden. Getroffenen hat es sehr oft gerade Kirchen des 20. Jahrhunderts, die aber prägende Bauwerke, geistliche Lebensräume und kulturelle Mittelpunkte sind. Ein wichtiges Beispiel in der Ausstellung, die am 14. Juni mit einer besonderen Veranstaltung gewürdigt wird, ist die Heilig Kreuz Kirche selbst!
Am 5. Juni singen Bottroper Chöre im Rahmen des Projektes "Sing, Day of Song" in der Gelsenkirchener Schalke-Arena, in Schiffen auf dem Rhein-Herne-Kanal und auf Plätzen in der Bottroper Innenstadt.
Am 12. Juni 2010 findet in der Freizeitanlage "Schloss Beck" ein stilvolles "Barockfest" für Jung und Alt statt mit Feuerschluckern, Artisten, Stelzenfiguren und Tanz. Und das alles in barocken Kostümen. Am Abend lassen Lampions den See am Schloß schimmern, überall gibt es Feuerstellen, eine Projektion lässt das Schloß aufleuchten bis zum guten Schluss ein buntes Feuerwerk für noch mehr Feuerzauber sorgt. Dazu gibt es Kulinarisches und Musikalisches aus dem 18. Jahrhundert!
"Local heroes": Jede Stadt im Ruhrgebiet wird eine Woche lang in den besonderen Focus der Kulturhauptstadt gestellt. In Bottrop ist dies vom 13. bis zum 19. Juni der Fall. Das städtische Kulturamt nimmt den Begriff "heroes" dabei wörtlich und organisiert eine Oper an ungewöhnlichem Ort: "Aida" einmal nicht im Theater, Opern- oder Festspielhaus, sondern im großen Stil am 13., 14., 16., 17. und 20. Juni jeweils um 20 Uhr im Amphitheater auf der Halde Haniel. Den Abschluss von "Local heroes" in Bottrop bildet nach noch vielen weiteren überraschenden Angeboten am 19. Juni die "Extraschicht - Nacht der Industriekultur" mit Inszenierungen unter Anderem am Tetraeder, dem Wahrzeichen Bottrops und der "Ruhr.2010".
Hier auf der Halde Emscherblick findet auch das Jugendprojekt "Ein Lied für Europa" mit Proben und Aufführungen vom 19. Juli bis 8. August seinen Höhepunkt.
Für junge Leute besonders interessant ist ebenso die "Lange Nacht der Jugendkultur", die voraussichtlich vom 3. auf den 4. Juli stattfindet. Ziel ist es, in einer gemeinsamen Nacht in den 53 Kommunen im Ruhrgebiet die Kultur-, Jugend- und Freizeiteinrichtungen für Kinder und Jugendliche zu öffnen und ein kulturelles Programm anzubieten.
Tanz in allen Variationen ist die Grundlage für das Projekt "Verstehst Du mich", bei dem 13- bis 21-Jährige aus verschiedenen Städten der Region und deren europäischer Partnerstädte miteinander agieren. Am 6. Juli werden bei einem Tanz- und Ballettabend im Kammerkonzertsaal (Kulturzentrum August Everding) die Ergebnisse dieses internationalen Jugend-Tanzprojektes präsentiert.
Ein besonderes Musikprojekt greift die Werke von Hans Werner Henze auf und stellt sie in einen Zusammenhang mit dem Schaffen von Wolfgang Amadeus Mozart: Zum einen bei einem Konzert am 5. September unter dem Titel "Henze und Mozart", zum anderen bei der Aufführung zweier Operneinakter am 24. Oktober unter dem Titel "Der Schauspieldirektor und das Wundertheater". Beide Veranstaltungen machen den Aufführungsort, den Malakoffturm, zum Klanggebäude. Die beiden Angebote fügen sich dabei in das entsprechende Projekt der "Ruhr.2010" mit Steven Sloane ein.
Eine weitere Ausstellung im Josef Albers Museum Quadrat vom 19. September bis zum 12. Dezember ist dem Werk von Ad Reinhardt gewidmet, dessen Kunst im Zusammenwirken mit ausgesuchten Werken von Josef Albers gezeigt wird. Die Ausstellung ist ein Kulminationspunkt in der im Jahr 2004 begonnenen Reihe "Albers im Kontext", zu der bisher die Ausstellungen von Agnes Martin (2004), Sol LeWitt (2005) und Donald Judd (2008) gehörten. Mit Ad Reinhardt wird nun einer der bekanntesten und zugleich geheimnisvollsten amerikanischen Künstler der Zeit nach 1945 vorgestellt. Reinhardt hatte seine letzte europäische Ausstellung vor ungefähr 20 Jahren, auch diese Tatsache wird eine besondere Aufmerksamkeit auf die Ausstellung lenken.
Nicht vergessen werden dürfen die Veranstaltungen und Projekte der Kirchen und anderer traditioneller Kulturträger. So gestaltet das katholische Stadtdekanat unter evangelischer Beteiligung beispielsweise eine "Lesewand" am Katholischen Stadthaus: "Christlicher Glauben - christliches Leben" ist der Titel, unter dem etwa 80 verzinkte Blechtafeln zu zentralen Aussagen des christlichen Glaubens sowie zur Entwicklungsgeschichte des katholischen Stadtdekanates mit seinen Gemeinden und Verbänden und zur evangelischen Stadtkirche ab kommendem Jahr präsentiert werden. Es werden auch wichtige Ereignisse aus der Stadtgeschichte sowie Aussagen anderer Religionsgemeinschaften in Bottrop vorgestellt.
Mit vier Orten ist das Dekanat am Bistumsprojekt der "spirituellen Kulturtankstellen" beteiligt: Die Heilig Kreuz-Kirche und die Herz Jesu-Kirche stellen ihre einzigartigen Kirchenräumlichkeiten zu ausgeweiteten und regelmäßigen Öffnungszeiten vor. Hier finden außerdem besondere Veranstaltungen statt, wie auch am weiteren Ort der Jugendkirche "Pulsar" (St. Peter). In der Heilig Kreuz Kirche wird darüber hinaus im Juni die Ausstellung "Schätze! Kirchen des 20. Jahrhunderts" gezeigt, in der neben der Trinitatis-Kirche in Mannheim auch die Heilig Kreuz Kirche eine besondere Rolle spielt. Zu den Bottroper Kulturtankstellen gehört zudem die Haniel-Halde mit Kreuzweg und Papstkreuz, die in 2010 zusammen mit der Oberhausener St. Barbara-Gemeinde betreut wird.
Eine der drei Glocken im Turm der St. Barbara-Kirche stammt aus Polen und wurde im Zweiten Weltkrieg von Deutschen requiriert, wie sich jetzt herausgestellt hat. Deshalb haben die Gemeindeverantwortlichen als Zeichen der Wiedergutmachung beschlossen, die Glocke im Kulturhauptstadtjahr 2010 an die polnische Gemeinde St. Nikolaus in Polanka Wielka zurückzugeben.
Im Rahmen der "Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen" werden der "Ökumenische Eröffnungsgottesdienst" zur Bottroper "Local Heroes"-Woche am 12. Juni und die "Nacht der offenen Gotteshäuser" am 18. Juni unter Beteiligung von 18 christlichen Kirchen und vier Moscheen organisiert.
Die evangelische Kirche ruft einen Kirchenführer und einen "Pilgerpfad" ins Leben.
Gemeinsam mit den beiden großen christlichen Kirchen hat die Stadtmarketinggesellschaft ein Projekt angestoßen, bei dem im Rahmen von zwei Stadtrundfahrten an Samstagen "Orte religiösen Lebens" näher betrachtet werden können. Die erste Tour am 10. April 2010 unter dem Schwerpunkt "Historie" führt zu vier Standorten: St. Cyriakus, Maria Himmelfahrt / Feldhausen, Haniel-Halde mit Papstkreuz und Kreuzweg sowie Martinskirche. Eine Woche später, am 17. April, führt die Tour unter dem Schwerpunkt "Architektur" zu den fünf Stationen Herz Jesu, St. Franziskus, Heilig Kreuz, Kirche am Kreuzkamp und Evangelische Kirche Fuhlenbrock. Die Fahrten dauern jeweils von 11 bis 15 Uhr und enden mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken, das im Reisepreis inbegriffen ist.
(05.01.2010)


