"Fremde-Feinde-Freunde: Franzosen in Bottrop"
Im Rahmen des dezentral angelegten Ausstellungsprojektes der Ruhrgebietsarchive "Fremd(e) im Revier" für Ruhr.2010 wurde bis zum 11. Juli in Bottrop eine Ausstellung gezeigt, die auf 400 Jahre Geschichte der Franzosen im Land an Emscher und Lippe zurückblickt. Organisiert wurden die Präsentation und das Begleitprogramm vom Bottroper Stadtarchiv und vom Museum für Ur- und Ortsgeschichte.
"Geschichte ist Teil der Kultur. Sie muss also auch im Kulturhauptstadtjahr dargestellt werden", erläutert Stadtarchivarin Heike Biskup die Motivation. Die Ausstellung, die ihren chronologischen Ausgangspunkt im Jahr 1579 hat, war zweigeteilt. Die frühen Jahrhunderte wurden im Josef Albers Museum Quadrat dokumentiert. Die Zeit ab der Industrialisierung bis zu der Städtepartnerschaft mit Tourcoing wurde im Kulturzentrum August Everding illustriert.
Die umfangreiche Ausstellung dokumentierte vor dem Hintergrund bekannter weltgeschichtlicher Ereignisse die lokalen Begebenheiten in Bottrop, dem Vest Recklinghausen und den angrenzenden Gebieten. Das älteste Dokument belegt die Mitarbeit eines französischen Gärtners an der Parkanlage des Schlosses Horst im Jahr 1579.
In zahlreichen weiteren Dokumenten finden sich die Spuren der Franzosen im heutigen Ruhrgebiet. Sie sind häufig mit kriegerischen Auseinandersetzungen in den vergangenen Jahrhunderten verbunden. So zeigen militärische Pläne, wo die Heere während des Siebenjährigen Krieges durchmarschierten. Unter einem anderen Dokument ist die Unterschrift Napoleons zu sehen, mit der er die Gründung des Rheinbundes ratifiziert. Zeitgenössische Chroniken, Tagebücher und Briefe, die zum Teil erstmals zu sehen waren, ergaben ein lebendiges Bild der Zeit.
Der Siebenjährige Krieg nahm breiten Raum im Museum Quadrat ein. Eine 16 Meter Leinwand wurde eigens für die Ausstellung vom Kulissenmaler Frank Burkamp bemalt. Mit dem Eindruck eines gewaltigen Heeres sollte der Alltag der Menschen im Ruhrgebiet vermittelt werden. Während große Teile der Felder niedergetrampelt wurden, mussten die Menschen gleichzeitig die Soldaten versorgen. Weitere Spuren belegen das Leben der französischen Revolutionsflüchtlinge in den Dörfern und Städten Westfalens. Diese finden sich in Ratsprotokollen, Rapporten, Kirchenbüchern und Briefen.
Heike Biskup hat aus über 60 in- und ausländischen Archiven, Museen und von Privatsammler außerordentlich wertvolle Leihgaben nach Bottrop geholt. Besonders reizvoll waren die handgemalten Karten der Region aus dem französischen Militärarchiv Vincennes in Paris, die den authentischen Schilderungen eines Zeitzeugen des Siebenjährigen Krieges auf Schloss Lembeck gegenübergestellt wurden.
Durch die Einrichtung einzelner "Kompartimente" wurden außerdem Einblicke in das alltägliche Leben in verschiedenen Jahrhunderten ermöglicht. Die erste schriftliche Überlieferung der Anwesenheit eines Franzosen in Bottrop im Jahr 1677, der eine westfälische Bauerntochter geheiratet hat, wurde durch die Einrichtung einer historischen Bauernstube der damaligen Zeit illustriert.
Die umfangreiche Ausstellung dokumentierte vor dem Hintergrund bekannter weltgeschichtlicher Ereignisse die lokalen Begebenheiten in Bottrop, dem Vest Recklinghausen und den angrenzenden Gebieten. Das älteste Dokument belegt die Mitarbeit eines französischen Gärtners an der Parkanlage des Schlosses Horst im Jahr 1579.
In zahlreichen weiteren Dokumenten finden sich die Spuren der Franzosen im heutigen Ruhrgebiet. Sie sind häufig mit kriegerischen Auseinandersetzungen in den vergangenen Jahrhunderten verbunden. So zeigen militärische Pläne, wo die Heere während des Siebenjährigen Krieges durchmarschierten. Unter einem anderen Dokument ist die Unterschrift Napoleons zu sehen, mit der er die Gründung des Rheinbundes ratifiziert. Zeitgenössische Chroniken, Tagebücher und Briefe, die zum Teil erstmals zu sehen waren, ergaben ein lebendiges Bild der Zeit.
Der Siebenjährige Krieg nahm breiten Raum im Museum Quadrat ein. Eine 16 Meter Leinwand wurde eigens für die Ausstellung vom Kulissenmaler Frank Burkamp bemalt. Mit dem Eindruck eines gewaltigen Heeres sollte der Alltag der Menschen im Ruhrgebiet vermittelt werden. Während große Teile der Felder niedergetrampelt wurden, mussten die Menschen gleichzeitig die Soldaten versorgen. Weitere Spuren belegen das Leben der französischen Revolutionsflüchtlinge in den Dörfern und Städten Westfalens. Diese finden sich in Ratsprotokollen, Rapporten, Kirchenbüchern und Briefen.
Heike Biskup hat aus über 60 in- und ausländischen Archiven, Museen und von Privatsammler außerordentlich wertvolle Leihgaben nach Bottrop geholt. Besonders reizvoll waren die handgemalten Karten der Region aus dem französischen Militärarchiv Vincennes in Paris, die den authentischen Schilderungen eines Zeitzeugen des Siebenjährigen Krieges auf Schloss Lembeck gegenübergestellt wurden.
Durch die Einrichtung einzelner "Kompartimente" wurden außerdem Einblicke in das alltägliche Leben in verschiedenen Jahrhunderten ermöglicht. Die erste schriftliche Überlieferung der Anwesenheit eines Franzosen in Bottrop im Jahr 1677, der eine westfälische Bauerntochter geheiratet hat, wurde durch die Einrichtung einer historischen Bauernstube der damaligen Zeit illustriert.
Nach dem Ausbruch der französischen Revolution flohen einige Adelige und Geistliche in die Emscher-Lippe-Region. Ein französischer Emigrant hat dem Bottroper Pastor Klapheck als Zeichen der Freundschaft eine zu dieser Zeit wertvolle Reliquie geschenkt, die in eine Monstranz eingearbeitet wurde. Dazu veranschaulichte eine bescheidene Betstube, wie die Situation für ihn in Bottrop gewesen sein könnte. Demgegenüber wurden zahlreiche französische adelige Emigranten in hochherrschaftlichen Häusern aufgenommen. Marquis Jean Baptiste de Vauchaussade etwa lebte auf Schloss Knippenburg und heiratete die Tochter des Hauses 1794. Die Jahre 1802 bis 1813 werden als die "arenbergisch-französische Zeit" des Vestes Recklinghausen bezeichnet. Der Herzog von Arenberg, in besonderer Weise politisch und privat mit Napoleon 1. Bonaparte verbunden, war Landesherr des Vestes Recklinghausen. Er führte die französische Gesetzgebung ein und reformierte auch das Gerichtswesen.
Mit ihrem finanziellen Engagement möglich gemacht hat diese Ausstellung die Egon-Bremer-Stiftung. Deren Geschäftsführer Hans Udo Thormann hat sich vor allem für die Ausstellung von Zeichnungen des Kupferstechers Jacques Callot eingesetzt. Seine Grafiken zeigten "Die Schrecken des Krieges" im 17. Jahrhundert.
Fortgesetzt wurde die Ausstellung im Kulturzentrum "August Everding". Gut dokumentiert ist die Zeit der Ruhrbesetzung 1932 bis 1925. In Postkarten schreiben die Soldaten von ihrem Alltag. Auffallend oft beklagen sie sich übrigens über das regnerische Wetter im Ruhrgebiet.
Auch die Konflikte zwischen den Besatzern und den Einwohnern wurden dargestellt. So wurde ein Bottroper Polizist von Soldaten erschossen. Das Begräbnis wurde zu einer beeindruckenden Demonstration gegen die Okkupanten.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden Franzosen zur Zwangsarbeit ins Ruhrgebiet verschleppt. Nach dem Krieg beginnt ein neues, friedliches Kapitel der deutsch-französischen Beziehungen. Aus Fremden und Feinden werden Freunde. 1967 wird die Städtepartnerschaft zwischen Bottrop nordfranzösischen Stadt Tourcoing besiegelt.
Zur Ausstellung ist ein zweibändiges Kompendium erschienen sowie ein Katalog über das Gesamtprojekt "Fremd(e) im Revier".
(12.07.2010)


