"Jeki"-Projekt ist in Bottrop ein großer Erfolg

Eine positive Zwischenbilanz kann die Stadt Bottrop für das "Jeki"-Projekt ziehen. "Jeki" steht für "Jedem Kind ein Instrument" und soll Musikunterricht in den Grundschulen fördern. Seit 2007 wird das Projekt in Bottrop durchgeführt und trifft bei den Kindern auf eine positive Resonanz.
In Bottrop ist die Auslastung der "Jeki"-Kurse an den Grundschulen sehr hoch. So hoch, dass es beinahe nicht genügend Lehrer gibt, um dem Lern- und Spieleifer der Kinder gerecht zu werden. Das Projekt geht jetzt in die vierte Runde. Geigen, Gitarren, Keyboards, Block- und Querflöten stehen auch dieses Jahr wieder auf dem Programm: insgesamt 193 Instrumente haben die neuen Ersten ab der zweiten Schulwoche zum Spielen und Probieren.

Zuerst findet der Unterricht noch für die gesamte Grundschulklasse statt, wer später auf einem der Instrumente "richtig" spielen lernen will, kann den Unterricht nach dem ersten Jahr fortsetzen. Mit einer "Weitermachquote" von etwa 60 Prozent liegt Bottrop hierbei über dem Landesdurchschnitt, so Organisatorin des Projektes, Monika Knorr. "Dieses Jahr liegen von 350 ehemaligen Erstklässlern 193 Anmeldungen zum Weitermachen vor. Das ist toll." Die Gruppe verkleinert sich jedoch zunehmend, so dass am Ende nur noch wenige Kinder das vierte Jahr "Jeki" in Anspruch nehmen. So werden es nach den Sommerferien in der dritten Klasse zwar noch 73 Kinder sein, in der vierten Klassen sind es aber nur noch 32.

Nichts desto Trotz: "Jeki" tut den Kindern und Lehrern gut. "Sogar Hampelmänner und Störenfriede sind im Musikunterricht still. Außerdem melden die Grundschulen ein verbessertes Sozialverhalten bei den Kindern", so Knorr.
Monika Knorr
Großbildansicht Monika Knorr, Organisatorin des "Jeki"-Projektes in Bottrop, hofft auf eine dauerhafte Weiterführung.

Es gibt zurzeit in Bottrop acht Grundschulen, die sich an dem Projekt beteiligen: die Albert Schweitzer-Grundschule, die Droste-Hülshoff-Grundschule, die Nikolaus-Groß-Grundschule, die Grundschule Ebel, die Schiller-Grundschule, die Johannes-Grundschule, die Cyriakus-Grundschule und neu die Konradschule. Außerdem gibt es dieses Angbot in der Adolf-Kolping-Förderschule.

Im ersten Jahr "Jeki" gibt es einmal pro Woche ergänzend zensurenfreien Instrumentalunterricht. Unterricht, der im "Tandem"-Modell von einer Musikschullehrerin und einer Grundschullehrerin erteilt wird. Im ersten Jahr dieses Unterrichts werden im Drei-Wochen-Takt insgesamt 15 verschiedene Instrumente und ihre Funktionsweisen vorgestellt. Daraufhin können die Kinder auf den Instrumenten probieren - und später vielleicht sogar spielen.
Geige
Großbildansicht Diese Instrumente werden für Kinderhände extra kleiner hergestellt.

Nach dem ersten Jahr in der Klasse bilden die Kinder, die weitermachen wollen, eine kleine Gruppe. Fünf bis sechs Kinder lernen hier das gleiche Instrument. Diese Gruppen werden dann von jeweils einem Lehrer unterrichtet. Im dritten Jahr kommt zusätzlich zu den Instrumentalstunden eine Orchesterstunde hinzu, in der alle "Jeki"-Kinder ab der dritten Klasse mitspielen. Dieses "Orchester Kunterbunt" tritt dann bei verschiedenen Schulfesten vor Lehrern, Eltern und Schülern auf.

"Ganz wichtig bei dem Projekt ist auch die Unterstützung der Eltern. Wenn die mit ihrem Kind zusammen üben und es motivieren, macht es schneller Fortschritte und so die Gruppe, in der es ist, auch", sagt Monika Knorr. Die Konzerte trügen außerdem auch einen wesentlichen Teil zur Motivation der Kinder bei.

Die Instrumentenwahl fällt wenigen Kindern schwer. Der "Renner" sind unangefochten die Geige und die Gitarre. "Da kann es natürlich passieren, dass wir bald nicht mehr genügend Geigen- und Gitarrenlehrer haben. Manche von ihnen sind an einem Unterrichtstag in drei oder vier verschiedenen Schulen und kommen erst nachmittags in die Musikschule zurück, um da den bezahlten Unterricht zu geben", sagt Monika Knorr. "Das ist natürlich ein hartes Paar Schuhe." Die Musikschule Bottrop hat zurzeit 40 Musiklehrer, davon arbeitet rund die Hälfte auf Honorar. Viele wohnen außerhalb von Bottrop und unterrichten auch in anderen Städten. Seit "Jeki" landesweit gestartet ist, sind Musiklehrer knapp geworden.
Kinder mit Instrumenten
Großbildansicht Wer nach dem ersten Jahr weiter macht, lernt ein Instrument spielen und kann sein Können bei Schulfesten im "Orchester Kunterbunt" zeigen.

Das erste "Jeki"-Jahr ist für die Eltern zwar kostenfrei, in den Folgejahren muss aber ein Beitrag gezahlt werden. Im Preis sind Unterricht und Leihgebühr für das Instrument enthalten. So kostet das zweite Jahr 20 Euro im Monat und die darauf folgenden zwei Jahre jeweils 35 Euro monatlich. Es gibt jedoch für Familien mit Bottrop-Pass die Möglichkeit einer Kostenbefreiung oder sonst durch die GLS Treuhand die Erhaltung eines Stipendiums.

Wer nach der Schule weiter Unterricht nehmen will, muss das bei der Musikschule tun. Die "Jeki"-Instrumente können dafür auch nicht mehr verwendet werden, stattdessen können die Kinder bei der Musikschule für einen Preis zwischen 3,50 Euro und 9 Euro das gewünschte Instrument ausleihen.

Derzeit sind 42 Kommunen des Ruhrgebiets mit 55 Musikschulen an dem Projekt beteiligt und arbeiten mit insgesamt 541 Grundschulen zusammen. Festgesetzt ist das Projekt bis 2011 und soll danach fortgeführt werden - sicher ist das jedoch noch nicht. Monika Knorr stört das: "Es abzubrechen wäre viel zu schade. Derzeit sind über 50.000 Kinder in dem 'Jeki'-Programm. Die kann man nicht einfach im Regen stehen lassen."

(18.08.2010)



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