Krupp - ein Heimatfilm fürs Ruhrgebiet

Iris Berben dreht in Bottrop "Krupp - eine deutsche Familie"


Iris Berben als Bertha Krupp und Benjamin Sadler als Alfried Krupp drehen in Bottrop.

In Bottrop entsteht eine der aufwendigsten Fernsehproduktionen des ZDF, die im nächsten Jahr gesendet wird. "Krupp - eine deutsche Familie" lautet der Titel eines Dreiteiler, in dem Iris Berben die Rolle der Bertha Krupp spielt. Zwölf Drehtage lang ist die Filmcrew zu Gast im "Studio 4" am Movie Park Germany.

In der riesigen Studiohalle sind die Kulissen der Zimmer der Hausherrin aufgebaut. Dies waren Margarethe Krupp, dargestellt von Barbara Auer, und eben Bertha Krupp. Rund elf Millionen Euro kostet die Produktion. Für ZDF-Produktionsleiter Hans Janke ist dies ein angemessener Etat, wenn auch das Budget rund doppelt so hoch ist, wie bei Standard-Produktionen. "Wir setzen das Geld so ein, wie wir meinen, dass es nötig ist", so Janke. "Die Krupp-Geschichte musste erzählt werden. Es ist klar, dass dies für kleines Geld nicht zu haben ist", sagt Janke während einer Pressekonferenz. Für Janke, der im Ruhrgebiet geboren ist, sei die Produktion "mein Heimatfilm".

Der wegen seiner Gesamtlänge von 270 Minuten für das Kino nicht geeignete Film erzählt rund 70 Jahre der Familiengeschichte bis zum Tod Alfried Krupps 1967. Regisseur Carlo Rola sieht in dem Film eine politische und zeitkritische Aufarbeitung eines wichtigen Teilstücks deutscher Geschichte, dass auch in der Bewertung von Historikern standhalten werde. Dabei kommt den Filmemachern zu Gute, dass zeitgleich zu den Film-Vorbereitungen vor rund sechs Jahre ernsthafte wissenschaftliche Aufarbeitungen der Krupp-Geschichte erfolgt sind. Außerdem hat sich Rola auf die Suche nach Zeitzeugen gemacht. "Ich habe mit dem Chauffeur von Bertha und einem Trauzeugen von Alfried Krupp gesprochen", sagt Rola. Wichtiger Zeitzeuge ist natürlich auch Berthold Beitz, der als Generalbevollmächtigter von Alfried Krupp in den Konzern geholt wurde und bis heute die Kruppstiftung in Essen führt. Gemeinsam mit Iris Berben habe er sich zweieinhalb Stunden unterhalten und vieles erfahren, was nicht in den Geschichtsbüchern steht. Rola betont aber, dass der Dreiteiler die Familiengeschichte der Krupps erzähle, nicht die Geschichte Beitz's. Dieser spiele nur eine Nebenrolle.

Drehorte findet die Produktionsfirma Moovie von Oliver Berben in ganz Nordrhein-Westfalen. Allerdings nicht an dem Krupp-Stammsitz der Villa Hügel in Essen. "Wir hätten die Erlaubnis bekommen zu drehen", sagt Oliver Berben. Allerdings hat die Villa im Laufe der Jahre so stark verändert, dass sie als Dreh-Schauplatz ungeeignet sei.

Die Filmförderung NRW unterstützt die Produktion mit 1,3 Millionen Euro. Der Dreiteiler soll im Frühjahr 2009 ausgestrahlt werden. Das ZDF hofft einen Teil der Produktionskosten durch den Verkauf ins Ausland zu decken. Denn schließlich waren die Krupps eine der größten europäischen Dynastien.

(31.10.2008)