Umfangreiche Arbeiten für drei Mio. Euro zwischen Sommer 2000 und Herbst 2005

Informationen zur PCB-Sanierungsmaßnahme an der Janusz-Korczak-Gesamtschule
In Bottrop wurden Ende der 90-er Jahre bei Kontrollen in öffentlichen Gebäuden Belastungen mit PCB-haltigen Materialien entdeckt. Neben einem umfangreichen Untersuchungsprogramm insbesondere in Schulen löste dies auch eine Reihe von Sanierungsanstrengungen aus. Die größte Sanierungsmaßnahme musste an der Janusz-Korczak-Gesamtschule in Angriff genommen werden. Diese Anstrengungen gehen nun ihrem Ende entgegen. Hier einiges zum Hintergrund.

Die Bauteile A und B der Janusz-Korczak-Gesamtschule wurden im Jahre 1969 in Stahlbetonskelettbauweise errichtet. Die Fassaden bestehen aus Betonbrüstungen mit aufgesetzten Aluminiumrahmen-Fensterelementen sowie vorgehängten Waschbeton-Fassadenplatten.

Die im Gebäude liegenden Fugen zwischen Mauerwerk und tragenden Betonelementen sowie zwischen Betonbrüstungen und Betonpfeilern waren beim Neubau mit PCB-haltigen Fugendichtmassen versiegelt worden. Hier lagen in erster Linie die Primärquellen für die PCB-Belastung. Weiterhin befanden sich zwischen den Waschbetonplatten der Außenfassade ebenfalls PCB-haltige Dichtungsmassen.

Die anlässlich der PCB-Untersuchungsprogramme festgestellten PCB-Raumluftgehalte in den Bauteilen A und B bewegten sich zwischen 480 und 3550 ng/m³ und ergaben somit eine mittelfristiges Sanierungserfordernis gemäß den PCB-Richtlinien des Landes.

Zunächst wurden die Primärquellen im Rahmen einer ersten Sanierungsmaßnahme im Sommer 2000 ausgetauscht. Dies führte zu einer Verringerung des PCB-Luftgehaltes, allerdings nicht zu der angestrebten nachhaltigen Reduzierung der PCB-Werte unter den sog. Vorsorgewert von 300 ng/m³.

Weitere Quellen gefunden

Die Gründe dafür lagen in den Sekundärquellen, d.h. den (zunächst unbelasteten) Bereichen, in denen sich PCB im Laufe der Jahre angereichert hatte (Böden, Decken, Farbaufträgen und Wänden). Hier konnte letztlich ein Sanierungserfolg nur durch Austausch der belasteten Quellen erzielt werden. Die damit verbundenen aufwändigen baulichen Maßnahmen wurden in zwei Bereichen (nach Bauteilen A und B aufgeteilt) und in größeren Sanierungsabschnitten während der Sommerferien und vielen kleinen Abschnitten während des laufenden Schulbetriebes durchgeführt.

Die ersten Vorbereitungen für die Sanierung des Bauteiles A fanden im Frühjahr 2002 statt. Da Erfahrungswerte für eine derart umfängliche Sanierung nicht vorhanden und auch ansonsten nicht zugänglich waren, wurde zunächst ein Teilbereich des 1.OG im Bauteil A mit verschiedenen Arbeitsverfahren saniert, um die sowohl effektivste aber auch wirtschaftlichste Methode zur Beseitigung der PCB-Sekundärkontaminationen auszutesten.

Durchgeführt wurden der Ausbau und die fachgerechte Entsorgung von Gipskarton-Deckenverkleidungen, PVC-Bodenbelägen sowie das Entfernen bzw. Entschichten von Farbanstrichen an Wänden, Heizkörpern , Heizkörperleitungen und Stahltürzargen. Nach der Mustersanierung erfolgten Raumluftmessungen, die den Erfolg der gewählten Sanierungsmethode bestätigten.

Start in den Sommerferien 2002

Ein größerer Sanierungsabschnitt wurde dann in den Sommerferien 2002 (Flure und Treppenhaus des Bauteiles A) bearbeitet. Die verbleibenden Räume wurden nachfolgend in kleineren Sanierungsabschnitten zu jeweils drei bis vier Räumen zusammengefasst. Einzelne Abschnitte wurden mit Schottwänden vom Restgebäude staubdicht abgetrennt. Der Zugang zum jeweiligen Sanierungsbereich erfolgte während des Schulbetriebes über einen an der Fassade aufgestellten Treppenturm. Zur Vermeidung von Staubverschleppungen wurden zusätzlich alle Räume mit Einkammerschleusen staubdicht vom Flur abgetrennt. Um zusätzliche Kontaminationen des Arbeitsbereiches durch PCB-kontaminierten Staubniederschlag und eingesetzte Arbeitsmittel zu vermeiden, wurden die Räume während der Abbeiz- und Fräsarbeiten über Unterdrucklüfter mit Filtereinrichtung zwangsbelüftet. Abbeize und Reinigungswasser mussten aufgefangen und fachgerecht entsorgt werden..

Zur gleichen Zeit wurden am Bauteil A im Rahmen einer Betonsanierung an der Außenfassade die abgenutzten Sonnenschutzanlagen erneuert und in dem Zuge die noch vorhandenen äußeren, belasteten Fugendichtmassen entfernt.

Abschluss der Sanierung im Bauteil A und Freigabe der letzten Räume nach Bestätigung des Sanierungserfolges durch nachgehende Messreihen, die weit unter dem Zielwert lagen, war im Oktober 2003.

Beginn im Bauteil B im Sommer 2003

Im Bauteil B wurde die Sanierung in den Sommerferien 2003 begonnen.

Zusätzlich zu den im Bauteil A durchgeführten Sanierungsmaßnahmen mussten hier aufgrund des baulichen Zustandes Wandputz und Estrich vollständig entfernt werden, was eine Anpassung der Bauzeiten und Sanierungspläne erforderlich machte. Wie bereits im Bauteil A wurden die Arbeiten in enger Zusammenarbeit mit der Schulleitung koordiniert. So mussten die Bereiche Verwaltung und Lehrbücherei während der Sanierungsphase an andere Stelle verlagert und die Arbeiten während der Klausuren ausgesetzt werden. Für die enge Zusammenarbeit mit der Schule wurde während der Sanierungszeit im Bauteil B eine wöchentliche Besprechung eingerichtet, um alle Kriterien berücksichtigen zu können und auch zusätzliche Informationen zur Bauausführung weiterzugeben.

Zusätzlich zur wöchentlichen Besprechung war ein Arbeitskreis eingerichtet, in der Schulleitung sowie Lehrer- und Elternvertretern über den Sachstand, aber auch über Erschwernisse oder Zeitverzögerungen laufend informiert wurden. Besonders Messergebnisse wurden hier erläutert und diskutiert.

Maßnahmen zum Brandschutz integriert

Gleichzeitig mit den zuvor beschriebenen Sanierungsmaßnahmen wurden in den Gebäuden notwendige Maßnahmen des Brandschutzes (Einbau neuer Rauchschutztürelemente, Schließen von Glasoberlichtern der Klassentüren sowie der Einbau von Brandschutzgebäudefugen und Brandschutzdecken nach einem zuvor ausgearbeiteten Sicherheitskonzept) umgesetzt. Auch alte Einrichtungen wie Einbauschränke, alte Schultafeln, die rückseitig noch mit Spanplatten versehen waren, mussten aus Vorsorgegründen demontiert und entfernt werden.

Die Sanierungsmaßnahmen im Bauteil B sind nun voraussichtlich Ende Oktober 2005 abgeschlossen.

Damit endet eine der längsten und umfangreichsten Sanierungsmaßnahmen an einer Bottroper Schule: Die Janusz-Korczak-Gesamtschule zeigt sich von innen in einem vollständig renovierten Zustand.

"Dieser Erfolg war nur durch das engagierte Mitarbeiten aller beteiligten Personen und Dienststellen, insbesondere aber auch durch das Engagement und die Kooperationsbereitschaft der Schulleitung, Lehrer, Schüler und Eltern zu erzielen", betont der Leiter des zuständigen städtischen Fachbereiches Gebäudewirtschaft, Willi Loeven.

Kosten liegen bei insgesamt drei Mio. Euro

Die Kosten wurde die Sanierung der Schule lagen bei insgesamt rund drei Millionen Euro. Davon entfielen vor dem PCB-Hintergrund 695.000 Euro auf den Bauteil A und rd. 2,11 Mio. Euro auf den Bauteil B. Die Kosten für die Brandschutzmaßnahmen betrugen 220.000 Euro.

Im Vergleich dazu hätten die Erstellungskosten für einen etwaigen Neubau an der Schule bei ca. 14,3 Mio. Euro gelegen. Hinzu wären beträchtliche Finanzierungsanteile für Abbruch und Entsorgung der PCB-haltigen Baumaterialien sowie für eine Interimslösung für die Zeit von Abbruch bis Neubau gekommen. "Der Vergleich zeigt auf, dass die Sanierung trotz ihrer erheblichen Kosten die wirtschaftlichere Lösung zur Schadstoffsanierung an diesen Gebäuden war", betont Willi Loeven.

(09.08.2005)