Geschichte der Märkte ist neues Thema in Stadtarchiv-Schriftenreihe

Autor Wilfried Krix hat in akribischer Kleinarbeit historische Akten und Dokumente durchsucht, um die Geschichte der Bottroper Märkte und der Kirmes nachzuzeichnen. Die Recherche brachte einige Überraschungen mit sich. In Teilen muss man sich jetzt wohl vom althergebrachten Bild der Marktgeschichte verabschieden.

In der Schriftenreihe "Geschichtsstunde" ist ein neues Heft erschienen, das die Geschichte der Märkte und der Kirmes in Bottrop durchleuchtet. Autor Wilfried Krix und Heike Biskup vom Stadtarchiv Bottrop stellten die neue Ausgabe aus der Schriftreihe am Dienstag, 9. Juni, der Öffentlichkeit vor. Auf 126 Seiten im Format DIN-A-4 wird der Weg des Marktes in Bottrop und der Kirmes vom 15. Jahrhundert bis in die Neuzeit nachgezeichnet.

Heike Biskup vom Stadtarchiv und Autor Wilfried Krix.
Großbildansicht Heike Biskup vom Stadtarchiv mit der neuen Publikation und Autor Wilfried Krix mit historischen Originalakten.

"Der Bottroper Markt hatte eine große regionale Bedeutung weit über das Siedlungsgebiet Bottrops hinaus", sagt Wilfried Krix. Was ungewöhnlich angesichts der heutigen Einwohnerstärke der Nachbarstädte klingt, lässt sich aber eindeutig aus den Quellen belegen. Noch im 18. Jahrhundert hatte Bottrop nämlich mehr Einwohner als beispielsweise Gelsenkirchen und Oberhausen. Erst mit der Industrialisierung verschoben sich die Siedlungsschwerpunkte und Größen der Gemeinden im nördlichen Ruhrgebiet.

"Man kann belegen anhand der Genehmigungen, dass auch der Händlerbesatz überregional war", so Krix. Händler kamen aus Köln, aus Essen und aus Orten des Niederrheins und das mehrmals jährlich - was zumindest ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nachweisbar ist. Dabei hatte der Markt in Bottrop den Charakter eines "Kram- und Viehmarktes", wobei "Kram" damals das übliche Wort für Waren des täglichen Bedarfs war.

Der Viehmarkt lebt heute sogar noch in der Tradition des Pferdemarktes weiter, der als Stadtevent von der Marketinggesellschaft veranstaltet wird. Einen reinen Pferdemarkt hatte Bottrop hingegen in der Vergangenheit nicht. Der Verkauf der Pferde war Teil des Viehmarktes, auf dem aber in der Mehrheit Schweine, Rinder und Schafe feil geboten wurden.

"Dies ist eine der Legenden, die bis heute fortleben", sagt Wilfried Krix. "Hartnäckig hält sich auch die Meinung, der letzte Pferdemarkt - der ja nie ein reiner Pferdemarkt war - habe 1924 stattgefunden." Wie diese Legende zustande gekommen ist, lässt sich nur schwer recherchieren. Fest steht aber, dass im Jahr 1926 - also zwei Jahre nach dem vermeintlichen Ende des Pferdemarktes - 18 Viehmärkte in Bottrop nachgewiesen werden können. Hier führten Zeitungsartikel und Anzeigen auf die Spur. Selbst in den 30er-Jahren fanden Viehmärkte statt, der letzte 1939, auf dem sich allerdings das Angebot auf nur noch vier Pferde und 159 Schweine beschränkte.

Auch nach dem Krieg setzte sich die Reihe fort. Auf den Fastnachtsviehmärkten von 1951 und 1952 wurden jedoch schon keine Pferde mehr aufgetrieben, so Krix. In seiner Schrift führt er nicht nur das Datum der jeweiligen Märkte genau auf, sondern dokumentiert auch, welche Anzahl von welchen Tieren zum Verkauf stand.

Ähnlich wie der Pferdemarkt hat auch die Kirmes ihre historischen Wurzeln weit in der Vergangenheit. So war auf dem Michaelismarkt, der bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann, Spiel und Tanz beim Volk besonders beliebt. Das wiederum erregte 1770 das Missfallen des Erzbischofs von Köln, in Personalunion Landesherr und damit oberste Genehmigungsstelle der Märkte. Spiel und Tanz würden nicht zum christlichen Sonntag passen, so Kurfürst Maximilian. Die Konsequenz war, dass ein Konkurrenzmarkt in Sterkrade regen Zulauf fand. Sterkrade gehörte zum preußischen Kleve, war protestantisch und bot der Kundschaft neben vielen Waren eben auch Tanz und Spiel.

Die Konsequenz war eine handfeste Krise für den Bottroper Markt. Schließlich, wohl auch weil die Einnahmen aus den Marktabgaben nicht mehr so sprudelten, hatte die Kölner Eminenz ein Einsehen. Am Marktverbot am heiligen Sonntag hielt er zwar fest, aber nun gab es Ausweichtermine an Wochentagen, an denen auch dem Volke ausreichend Vergnügungen geboten werden konnte. Und um die verlorenen Markthändler zurück nach Bottrop zu holen, bot man ihnen Abgabenfreiheit für drei Jahre an.

Diese und weitere Geschichten finden sich in der neuen Publikation. Neben einer Zeitleiste zum schnellen Nachschlagen gibt es zudem ein umfangreiches Literatur- und Quellenverzeichnis. Die Schrift "Das Markt und Kirmeswesen in Bottrop" ist für fünf Euro im Stadtarchiv erhältlich.

(09.06.2009)