Referenzbau liefert Impulse für die Innenstadt

Bauarbeiten
Noch behindert das Baugerüst den freien Blick auf die Bottroper Innenstadt. Spätestens ab November hat man aus dem Büro in der obersten Etage eine freie Sicht auf die Innenstadt.

Mit dem Fortschritt an der Baustelle Berliner Platz sind der Baudezernent Bernd Tischler und der Architekt Thomas Weinig zufrieden. Mit ziemlicher Gelassenheit blicken sie während eines Baustellenrundgangs auf die routinierte Betriebsamkeit bei den Handwerkern. Der geplante Eröffnungstermin am 19. November steht bei beiden fest im Kalender. "Hektik kommt erst in den letzten vier Wochen vor der Eröffnung auf, wenn keiner daran glaubt, rechtzeitig fertig zu werden", sagt Architekt Weinig. Aber auch das gehört zur Routine.
zwei Männer
Großbildansicht Bernd Tischler und Thomas Weinig (rechts) sind mit dem Baufortschritt zufrieden.

Unter dem Berliner Platz ist eine zweigeschossige Tiefgarage mit 580 Stellplätzen. Die Zufahrt ist in das Gebäude integriert. Die Ausfahrt erfolgt über eine Rampe, die direkt in die Paßstraße führt, so dass die Fahrzeuge sich in den Verkehr einfädeln können, ohne dabei besonders auf Fußgänger achten zu müssen. Merkmal der Tiefgarage ist die großzügige Deckenhöhe. Selbst Pkw mit Dachaufbauten werden keine Probleme haben, in die Garage zu fahren. Die Stützpfeiler stehen mit 16 Meter in einem ungewöhnlich großen Abstand zueinander. Dadurch werden Angsträume vermieden, erklärt Weinig. "Schließlich sind es zumeist Frauen, die zum Einkaufen fahren", sagt der Architekt. Von der offen gestalteten Tiefgarage führen sechs Aufzüge in den Supermarkt. Auf zwei Etagen wird sich das Warensortiment auf 5.500 Quadratmetern ausbreiten. Auch wenn der Eindruck der Baustelle ein anderer ist, sind hier die Bauarbeiten ihrem Zeitplan voraus. "Der Einbau der Haustechnik ist am kompliziertesten, aber den haben wir bereits abgeschlossen", so Weinig.
Auch in den weiteren Etagen des Gebäudes hat der Innenausbau begonnen. Hier werden das Sozialamt und die ARGE einziehen, deren Büros zurzeit im gesamten Stadtgebiet verteilt sind. Die künftigen Büros bieten einen hervorragenden Blick über die Bottroper Innenstadt. Weinig, der sein Architekturbüro in Stuttgart hat, ist von der städtebaulichen Entwicklung beeindruckt. Die beiden etwa gleichgroßen Plätze, ZOB und Berliner Platz, werden durch ein Spangengebäude getrennt. Er lobt die sich daraus ergebene städtebauliche Gestaltung: "Das Gebäude sieht aus, als sei es schon immer da gewesen."

Die Bauarbeiten konzentrieren sich nicht nur auf die Investitionen des Unternehmens Kaufland. Auch die Stadt leistet einen wesentlichen Beitrag für die Gestaltung der Innenstadt, wie Baudezernent Bernd Tischler erläutert. Dazu gehört der Umbau des ZOBs. "Mit fünf Millionen Euro werden die Arbeiten deutlich günstiger, als gedacht", erklärt Tischler. Grund dafür seien die gesunkenen Stahlpreise. Allerdings werde der ZOB nicht mit der Eröffnung von Kaufland fertig gestellt sein, sondern erst im Frühjahr 2010.

Einen Eindruck der künftigen Gestaltung des Berliner Platzes vor der Post vermittelt bereits der jetzige Stand der Bauarbeiten. 2,5 Millionen Euro investiert die Stadt in Pflasterarbeiten, Wasserspiele und Möblierung. Weitere 1,6 Millionen Euro fließen in die Kanalbauarbeiten an der Paßstraße und der Friedrich-Ebert-Straße. Dort wird nach Abschluss der Arbeiten eine Straßendecke aus Flüsterasphalt gelegt, so dass auch die Anwohner von der Umgestaltung der Innenstadt profitieren.

In dem Spangengebäude, das das Hansa-Zentrum mit Kaufland verbindet, wird im Erdgeschoss Gastronomie einziehen. Somit gibt es die Möglichkeit, Tische auf den Berliner Platz aufzustellen. Im Obergeschoss werden Büros eingerichtet, die vermietet werden.

Bei einem Rundgang über die Baustelle betonten Tischler und Weinig die gemeinsame Zusammenarbeit. "Dies wird ein Referenzobjekt für Kaufland", sagt Weinig. Dies sei nur durch den offenen Umgang miteinander und der Bereitschaft zu Kompromissen möglich. Bernd Tischler erwartet von dem Kaufland-Bau einen Impuls für die gesamte Innenstadt. "Ich bin froh, dass wir nicht anderen Konzepten gefolgt sind, die solche Warenangebote am Stadtrand vorgesehen haben", so Tischler. Dass der erwartete Impuls ankommt, zeichnet sich bereits ab. Ein Restaurantinhaber hat angekündigt, künftig auch eine Außengastronomie auf dem Berliner Platz anzubieten.

(05.08.2009)



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