Meilenstein für Emscher-Umbau

Planfeststellungsbeschluss für den Abwasserkanal Emscher (AKE) an Emschergenossenschaft übergeben
Einer der größten Abwasserkanäle kann gebaut werden. Regierungspräsident Dr. Peter Paziorek hat den Planfeststellungsbeschluss für den Bau und den Betrieb des Abwasserkanals parallel der Emscher an den Vorstandsvorsitzenden der Emschergenossenschaft Dr. Jochen Stemplewski überreicht. Der Regierungspräsident ist von dem Projekt sichtlich beeindruckt. "Dieses Projekt ist eines der größten weltweit", so Paziorek.

"Die Schwatte wird blau!", so bringt die Emschergenossenschaft ihr Großprojekt auf den Punkt.
Bei der Erörterung zeigte sich, dass das Projekt Abwasserkanal Emscher auch im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Emscherraums grundsätzlich auf positive Resonanz stößt. Paziorek: "Mit dieser Maßnahme wird die Lebensqualität für die Menschen dieser Region erheblich gesteigert und die Standortchancen deutlich verbessert". Konsens konnte dabei in vielen kritisierten Punkten erzielt werden. Zum Teil mussten ergänzende Unterlagen im Januar und März 2008 eingereicht werden. Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange flossen in den Planfeststellungsbeschluss ein.

Der jetzt an die Emschergenossenschaft übergebene Planfeststellungsbeschluss ist das Ergebnis der Abwägung aller eingebrachten Argumente, Anregungen und Bedenken. Ein ehrgeiziges und komplexes Planungsvorhaben wurde damit in kurzer Zeit realisierungsreif. Ab nächster Woche wird der Planfeststellungsbeschluss für zwei Wochen in den Kommunen ausliegen. Beteiligte haben dann die Möglichkeit der Einsichtnahme. Daran schließt sich eine Frist von einem Monat an, in der gegen den Beschluss Klagen erhoben werden können.

Ziel ist die Renaturierung der Emscher-Region. Die offene Abwasserableitung wird damit Vergangenheit. An ihre Stelle treten geschlossene unterirdische Kanalisationsanlagen. Kernstück ist der Abwasserkanal Emscher. Er verläuft 51 Kilometer unterirdisch in einer Tiefe von bis zu 40 Metern seitlich der Emscher von der Kläranlage Dortmund-Deusen über die Kläranlage Bottrop bis zur Kläranlage Dinslaken. Dazu sind Abwasserrohre mit bis zu 2,80 Metern Durchmesser, 163 Schachtbauwerke und drei Pumpwerke nötig. Erst wenn keine Abwässer mehr in die Emscher gelangen, wird eine naturnahe Umgestaltung der Emscher möglich.

"Dieser Planfeststellungsbeschluss ist ein weiterer Meilenstein beim Umbau des Emscher-Systems. Der neue Kanal wird die abwassertechnische Hauptschlagader des Ruhrgebiets, die ehemals schwatte Emscher wird das grüne Herz der Region", erklärte Dr. Jochen Stemplewski beim Empfang des Bescheides.

Die Bezirksregierung Münster wurde vom Umweltministerium mit dem Verfahren der Planfeststellung für die gesamte Strecke, auch für den Kanalverlauf in den Regierungsbezirken Arnsberg und Düsseldorf, beauftragt.

Im Dezember 2006 hat die Emschergenossenschaft nach Ergänzung den endgültigen Antrag eingereicht. Die Bezirksregierung hat die Antragsunterlagen geprüft und vom 22. Januar bis zum 21. Februar 2007 in den von dem Vorhaben betroffenen Kommunen Dinslaken, Duisburg, Oberhausen, Essen, Bottrop, Gelsenkirchen, Herne, Herten, Recklinghausen, Castrop-Rauxel, Waltrop und Dortmund ausgelegt. Dazu hat die Bezirksregierung Münster rund 5000 Aktenordner und 220 DVD ins Ruhrgebiet geschickt.
Mehr als 400 Bürger erhoben Einwendungen; rund 90 Träger öffentlicher Belange beteiligten sich an dem Anhörungsverfahren. Der Erörterungstermin zum Planfeststellungsverfahren Abwasserkanal Emscher fand vom 27. bis 30. August 2007 in Essen statt. Unter der Leitung der Bezirksregierung Münster wurden mehr als 1000 Einzelargumente erörtert.

Der Bau des Kanals beginnt dann nach den öffentlichen Vergabeverfahren in den nächsten Monaten. Geplante Fertigstellung ist im Jahre 2017. Bereits im Jahre 2020 wird auch die sukzessiv erfolgende ökologische Umgestaltung abgeschlossen sein.

(14.08.2008)