Senioren sollen möglichst lange in eigener Wohnung leben

Damit Senioren möglichst lange in der eigenen Wohnung leben können, bedarf es eines Bündels von Maßnahmen. Nicht nur der Wohnraum, der auf Senioren zugeschnitten ist, wird vermehrt gebraucht, auch spezielle Hilfen und Dienstleistungen müssen angeboten werden. Beides ist in Bottrop auf einem guten Weg.
In der Stadt Bottrop gibt es zurzeit rund 1.500 barrierefreie Wohnungen die insbesondere für Senioren besonders geeignet sind. "Verglichen mit der Zahl der älteren Menschen, die in unserer Stadt leben, sind das relativ wenige", sagt Maria Thon vom städtischen Sozialamt, dort zuständig für den Seniorenbereich. "Der Bedarf an Wohnraum, der auf Senioren zugeschnitten ist, wird daher in Zukunft zunehmen." Gemeinsam mit Abteilungsleiter Peter Sommer und Hans-Jürgen Bode, Geschäftsführer der Gesellschaft für Bauen und Wohnen Bottrop, wurden jetzt im Rathaus Eckpunkte für die zukünftige Entwicklung vorgestellt.

Rund 26 Prozent der Bottroper Bevölkerung (mehr als 30.000) sind bereits heute älter als 60 Jahre. 6.222 von ihnen sind sogar älter als 80 Jahre (5,4 Prozent aller Bottroper). Allerdings wohnt die Mehrheit dieser älteren Menschen noch immer in der Wohnung, die sie vor Jahren bezog und die in der Regel nicht den Maßstäben der Barrierefreiheit entspricht. "In vielen Fällen ist das auch noch kein Problem", sagt Hans-Jürgen Bode, "denn viele Senioren sind sehr agil und kommen in ihren vier Wänden auch bis ins hohe Alter klar." Daneben gebe es aber eine wachsende Zahl, die zwar keine Pflegefälle wären, aber einen erhöhten Betreuungsaufwand benötigten. Sie könnten dennoch weiter ein selbständiges Leben führen, wenn ihre Wohnung darauf abgestimmt sei und man ihnen Betreuungsdienstleistungen anbieten würde.

Nach einer Untersuchung von Infratest aus dem Jahr 2002 leben 31 Prozent der Menschen über 60 Jahre in Deutschland in Einpersonenhaushalten. Von den über 80-jährigen sind es 59 Prozent, die allein leben. Der überwiegende Teil davon ist weiblich. Das Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik prognostiziert für Bottrop bis zum Jahre 2020 eine Gesamtzunahme der Ein-Personen-Haushalte um 2.000 Fälle.

Die Angebote, die den Senioren zur Verfügung gestellt werden müssen, um selbständig zu bleiben, richten sich zumeist auf haushaltsnahe Dienstleistungen. Hilfen zum Putzen der Wohnung, zum Einkaufen oder kleinere handwerkliche Arbeiten gehören beispielsweise dazu, aber auch die Mittagsverpflegung oder ein Wäschedienst. Die Gesellschaft für Bauen und Wohnen Bottrop arbeitet mit drei sozialen Trägern zusammen, und kann ihren Mietern bereits eine Vielzahl solcher Dienstleistungen anbieten. Allerdings fallen auch Kosten für den jeweiligen Service an.

Um auch den Wohnraum auf die Bedürfnisse für Senioren abzustimmen, bedarf es größerer Investitionen in den Wohnungsbestand. Der Gesetzgeber hat hier verfügt, dass Neubauten keine Barrieren beispielsweise für Nutzer von Rollatoren oder Rollstuhlfahrer mehr haben dürfen, wenn sie öffentlich gefördert werden. Bauträger können somit nur dann öffentliche Mittel abrufen, wenn sie Wohnungen bauen, die auch für ältere Menschen gut geeignet sind. Den Altbestand könne man aber nur Projektweise und Zug um Zug umbauen, so Hans-Jürgen Bode. Unzweifelhaft sei aber, dass der Bedarf an solchen Wohnungen in Zukunft steigen werde. Dem werde die Gesellschaft für Bauen und Wohnen nachkommen.

Ein wichtiges Standbein, um Senioren bei ihrer Selbständigkeit zu unterstützen ist der Aufbau von sozialen Netzwerken. Diese gründen sich auf Nachbarschaftshilfe sowie auf Vereine und Initiativen. So gibt es beispielsweise mit dem Projekt "Gemeinsam gut alt werden in Ebel" eine Art Stadtteilkonferenz. Auf Anregung dieses Gremiums wurden Altenwohnungen gebaut, ein Bürgerladen wurde eingerichtet und vielfältige Aktivitäten für Junge und Alte auf den Weg gebracht. Ein Bürgerverein schickt sich an, das ehemalige Gemeindehaus der katholischen Kirche zu übernehmen und als soziokulturelles Zentrum zu betreiben. Gute Erfahrungen gibt es auch im Eigen und in der Stadtmitte. Dort veranstaltet die Gesellschaft für Bauen und Wohnen moderierte Mieterversammlungen. Dabei sollen aktive Nachbarschaften entstehen und die Mieter in die Angebote im Stadtteil integriert werden.

Das Projekt "Aktiv im Alter" hat durch Befragungen und die Durchführung von Bürgerforen im Eigen und in der Stadtmitte die Anbieter verschiedener Aktivitäten miteinander in Kontakt gebracht und die Bewohner der beiden Stadtteile mit verschiedenen Möglichkeiten des Miteinander bekanntgemacht und so zur Mitwirkung angeregt. Ziel ist auch hier die Verbesserung der sozialen Infrastruktur und der weitere Ausbau sozialer Netze.

(11.08.2009)