Lebhaftes Treiben rund um den Malakoffturm bei der "ExtraSchicht"
Ein Pulk von Menschen steht am Bottroper Pferdemarkt an der Haltestelle und wartet auf den Bus-Shuttle-Service der Extraschicht. Mit Regenschirm und Regenkleidung gewappnet trotzen sie dem schlechten Wetter und drängen sich in den Bus, der sie direkt zum Malakoffturm auf der Schachtanlage Prosper II bringt. Angeregte Unterhaltungen prägen die Vorfreude auf die Bottroper ExtraSchicht. Auf dem Gelände der Schachtanlage Prosper II tauchen die Veranstaltungsgäste in die industrielle Atmosphäre ein. Es ist die Begegnung zwischen "Mensch und Maschine".
Ein Anziehungspunkt der Extraschichtler ist der Malakoffturm, in dem sich die Besucher für Besichtigungen über das Prosper II Gelände anmelden können. Eine Ehrengarde der Steiger führt die Besucher fachkundig über das Zechengelände. Werner Roßmann ist einer der Steiger, der die Besucher informiert. Von ihm erfahren sie, dass zwischen 1871 und 1875 der Malakoffturm errichtet wurde. Der Malakoffturm ist ein interessantes Bergbaurelikt des Ruhrgebiets mit einer Höhe von 30,62 Metern. Seine aufwändig gestalteten Ecktürme und der abschließende Zinnenkranz sind beeindruckend. 1987 wurde die Kohleförderung des Bergwerks durch den in unmittelbarer Nähe auf der Schachtanlage endenden "Förderberg" ersetzt. Die Rohkohle gelangt auf einem Förderband durch einen schrägen Tunnel von 3.653 Metern Länge aus einer Tiefe von 779 Metern und mit einer Steigung von 21 Prozent an die Oberfläche.
"Dies ist einmalig im Ruhrgebiet", erzählt Werner Roßmann begeistert. Er erklärt den staunenden Besuchern, dass auf dem Unterband das Bergematerial nach der Wäsche wieder unter Tage transportiert wird, um auf der Schachtanlage Franz Haniel gehoben und auf die benachbarte Halde verbracht zu werden. Günter Deckardt ist begeistert, die Industriekultur des Ruhrgebiets live zu erleben: "Es ist schön, ein Bergwerk zu besichtigen, was noch intakt ist. Hier steckt noch richtiges Ruhrgebietsleben drin."
Nach der Führung zieht das Künstlerduo mit den "singenden Sägen" die Besucher in ihren Bann. "Als wir das Duo engagiert haben, konnte ich mir unter den 'singenden Sägen' gar nichts vorstellen. Aber jetzt bin ich absolut begeistert. Es ist nicht einmal ein unangenehmer Ton für die Ohren, sondern es hört sich wie Gesang an", beschreibt Natascha Sadowski von der Gesellschaft für Stadtmarketing Bottrop fasziniert den Klang.
Unter dem Titel "Ruhrpott" stellt die Studentin Ronja Thiemann ihre farbenfrohen Bilder im Malakoffturm aus. Die vielfältigen Motive, meist Fördertürme und das Tetraeder, zeigen, dass sie auf eine bunte Farbpalette zurückgreift. "Ich möchte das Ruhrgebiet so darstellen, wie es ist: knallig-bunt", beschreibt Ronja Thiemann ihre Bilder. Die Bilder spiegeln ihre eigene positive Einstellung zum Ruhrgebiet wieder: "Hier kann man die Wäsche raushängen und sie wird nicht schwarz. Das Ruhrgebiet besteht aus einer bunten Vielfalt".
Eine weitere Ausstellung zeigt die Kunstgemeinschaft Bottrop im Glaspavillon nebenan. Unter dem Motto "Das Revier sind Wir" zeigen sie ihre kreativ bemalten und 1,80 Meter großen Holz-Silhouetten, die im Glaspavillon verteilt positioniert sind. Sie verkörpern Menschen des Ruhrgebiets. Diese Figuren sind zum Beispiel mit industriellen Motiven des Ruhrgebiets bemalt. Sabine Nikolajczak-Schmitz beschreibt den ersten Eindruck dieser Ausstellung als genial: "Es ist eine Vielfältigkeit in der Gestaltung zu sehen. Dennoch gibt es eine Gemeinsamkeit, nämlich das immer wiederkehrende Motiv der Taube."
Elsbeth Sommer aus dem Münsterland ist begeistert von der ExtraSchicht im Ruhrgebiet: "Als ich früher noch im Ruhrgebiet gelebt habe, hatte ich nie die Möglichkeit, ein Bergwerk zu besichtigen. Das ist das Tolle und Faszinierende an der ExtraSchicht, dass man hinter die Kulissen der industriellen Kultur des Ruhrgebiets blicken kann."
(29.06.2009)








