Bauernmärkte und noch mehr? Bottrop im 19. Jahrhundert
Bottrop, heute eine Großstadt mit etwas mehr als 117.500 Einwohnern, war bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein eine kleine westfälische Landgemeinde, die 1815 gerade einmal rund 2.200 Einwohner zählte. Die Bewohner lebten zumeist auf verstreut liegenden Bauern- und Kötterhöfen. Die Landwirtschaft stellte den Haupterwerbszweig dar. Daneben gab es einige kleinere Handwerksbetriebe. Fünfmal im Jahr wurden Kram- und Viehmärkte abgehalten, die Käufer und Verkäufer auch aus der weiteren Umgebung nach Bottrop lockten.
1821 wurde Wilhelm Tourneau im Alter von 26 Jahren Bürgermeister von Bottrop. Das Amt hatte er dreißig Jahre lang inne. 1816 war er bereits mit nur 22 Jahren Bürgermeister des benachbarten Kirchhellen geworden, wo er bis 1853 im Amt blieb. Zwar glaubte Tourneau, dass sich im Boden reiche Schätze befinden würden, er wusste in seiner "Chronik über die Kirchspiele Bottrop und Osterfeld" sogar von einer alten Sage zu berichten, der zufolge "die Kohlenflötze aus dem benachbarten Essendischen in diesen Höhen ihre Fortsetzung finden" sollten, wie er es ausdrückte. Allerdings von den Ausmaßen oder gar von den tief greifenden Umwälzungen, die der Abbau der Steinkohle hier in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts tatsächlich nach sich ziehen sollte, konnte er wohl nicht einmal träumen.
Bottrop war zur Zeit Tourneaus ein kleines beschauliches Dorf. In seiner Amtszeit entwickelte es sich allerdings von einer kaum beachteten wirtschaftlich verarmten Gemeinde zu einem angesehenen, relativ wohlhabenden Ort. Mit dem Ausbau des Wegenetzes und dem Bedeutungszuwachs, den die Märkte erfuhren, legte Tourneau die Grundlagen für die kommenden politischen und ökonomischen Verhältnisse.
Tourneaus akribisch verfasste Chronik stellt eines der wertvollsten Exponate des Stadtarchivs zur lokalen Geschichte des 19. Jahrhunderts dar. Vor einigen Jahren wurde sie mit großem Aufwand restauriert.
Als zweites Exponat wurde ein Druck der so genannten "Urkatasterkarte" präsentiert.
Die Karte aus den Jahren 1823/24 stellt ein erstes genaues Abbild des damaligen Bottroper Gemeindegebietes dar. Rund 35 Prozent des Bottroper Bodens waren damals Ackerflächen. Hiervon zählten allerdings nur 12,3 Prozent zur besten Qualität, etwa die Hälfte nur zur mittleren und rund 39 Prozent sogar zur niedrigen Qualität. Der Rest bestand zumeist aus Wald-, Weide- und Heideflächen. Als Grundeigentümer wurden 440 Personen aufgeführt. Über die Hälfte hatte allerdings nur sehr bescheidenen Grundbesitz. Bei den Bauern und Köttern, die auf der Karte verzeichnet sind, handelte es sich häufig um alte Bottroper Familien, die seit Jahrhunderten am Ort sesshaft waren: Scharnhölz (erstmals in einem Dokument 1426 erwähnt), Große bzw. Kleine Wortmann (erstmals 1512 erwähnt), Albers (die Vorfahren des berühmten Malers Josef Albers wurden erstmals 1630 erwähnt).
1821 wurde Wilhelm Tourneau im Alter von 26 Jahren Bürgermeister von Bottrop. Das Amt hatte er dreißig Jahre lang inne. 1816 war er bereits mit nur 22 Jahren Bürgermeister des benachbarten Kirchhellen geworden, wo er bis 1853 im Amt blieb. Zwar glaubte Tourneau, dass sich im Boden reiche Schätze befinden würden, er wusste in seiner "Chronik über die Kirchspiele Bottrop und Osterfeld" sogar von einer alten Sage zu berichten, der zufolge "die Kohlenflötze aus dem benachbarten Essendischen in diesen Höhen ihre Fortsetzung finden" sollten, wie er es ausdrückte. Allerdings von den Ausmaßen oder gar von den tief greifenden Umwälzungen, die der Abbau der Steinkohle hier in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts tatsächlich nach sich ziehen sollte, konnte er wohl nicht einmal träumen.
Bottrop war zur Zeit Tourneaus ein kleines beschauliches Dorf. In seiner Amtszeit entwickelte es sich allerdings von einer kaum beachteten wirtschaftlich verarmten Gemeinde zu einem angesehenen, relativ wohlhabenden Ort. Mit dem Ausbau des Wegenetzes und dem Bedeutungszuwachs, den die Märkte erfuhren, legte Tourneau die Grundlagen für die kommenden politischen und ökonomischen Verhältnisse.
Tourneaus akribisch verfasste Chronik stellt eines der wertvollsten Exponate des Stadtarchivs zur lokalen Geschichte des 19. Jahrhunderts dar. Vor einigen Jahren wurde sie mit großem Aufwand restauriert.
Als zweites Exponat wurde ein Druck der so genannten "Urkatasterkarte" präsentiert.
Die Karte aus den Jahren 1823/24 stellt ein erstes genaues Abbild des damaligen Bottroper Gemeindegebietes dar. Rund 35 Prozent des Bottroper Bodens waren damals Ackerflächen. Hiervon zählten allerdings nur 12,3 Prozent zur besten Qualität, etwa die Hälfte nur zur mittleren und rund 39 Prozent sogar zur niedrigen Qualität. Der Rest bestand zumeist aus Wald-, Weide- und Heideflächen. Als Grundeigentümer wurden 440 Personen aufgeführt. Über die Hälfte hatte allerdings nur sehr bescheidenen Grundbesitz. Bei den Bauern und Köttern, die auf der Karte verzeichnet sind, handelte es sich häufig um alte Bottroper Familien, die seit Jahrhunderten am Ort sesshaft waren: Scharnhölz (erstmals in einem Dokument 1426 erwähnt), Große bzw. Kleine Wortmann (erstmals 1512 erwähnt), Albers (die Vorfahren des berühmten Malers Josef Albers wurden erstmals 1630 erwähnt).
(22.03.2011)


