"Zukunft Bottrop": Erste Beiratssitzung holt lokale Akteure ins Boot
"Nach 150 Jahren Prägung durch den Bergbau ist ein Ende der Ära in Sicht", sagte Oberbürgermeister Peter Noetzel in seiner Begrüßungsrede. Dies fordere zu großen Anstrengungen heraus, die man nur gemeinsam lösen könne. "Wir brauchen Sie, Ihre Ideen, Visionen und Beiträge", forderte er alle Beteiligten auf, sich in den Prozess, der nun beginnen müsse, einzubringen. Der Kreis, an den sich dieser Appell richtete, waren die Teilnehmer der ersten Beiratssitzung des Projekts "Zukunft Bottrop". Rund 60 lokale Akteure waren am Freitag (27. März 2009) ins Hotel Tulip Inn gekommen, darunter auch Prof. Eberhard Menzel, Gründungsrektor der neuen FH.
Oliver Lühr von der Agentur "prognos" stellte noch einmal ausführlich die Defizite des Wirtschaftsstandorts Bottrops und die Aktionsfelder (Bildungslandschaft, Energiewirtschaft, Freizeitsektor und Gesundheitswirtschaft) vor. (Siehe dazu Bericht vom 03.02.2009, Link unten.) Besonderen Schwerpunkt legte die Veranstaltung auf den Bildungsbereich und blieb dabei nicht bei einer Zustandsbeschreibung des Schulsystems stehen. Lühr stellte in diesem Zusammenhang dar, dass die Untersuchungen von "prognos" erkennbare Defizite auch in den Unternehmen zu Tage gefördert hätten. "Es gibt zu wenig Innovationspotenzial", so Lühr.
Belegt wird dies mit der geringen Anzahl von Patenten, gemessen an der Gesamtzahl der lokalen Unternehmen. Auch bei der Zusammensetzung der Belegschaften hat man festgestellt, dass es in der Bottroper Wirtschaftsstruktur eine zu geringe Personalintensität im Bereich Forschung und Entwicklung gibt. Einen Weg, um hier Abhilfe zu schaffen, sieht man darin, den Bildungssektor verstärkt zu entwickeln. Dafür sei die Gründung der Fachhochschule ein wichtiger Faktor, aber auch bei den Schulen müsse angesetzt werden, um hier verstärkt Nachwuchskräfte für ein Ingenieurstudium oder eine technische Berufsausbildung rekrutieren zu können.
Gründungsrektor Prof. Eberhard Menzel umriss, wie er sich die Ausrichtung der FH vorstellt. Wichtiges Kriterium sei die Qualität des Angebots und die Verzahnung der Fachhochschule mit der Wirtschaft. "Wir sind gerade bei der Auswahl des Personals", so Menzel. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand eine Lehrtätigkeit an der neuen FH aufnimmt, ohne zuvor nicht zumindest drei Jahre in der Wirtschaft gearbeitet zu haben." Die Bindung an die Praxis müsse stets gewahrt bleiben. "Ich möchte, dass jeder Hochschullehrer eine Nebentätigkeit in einem Wirtschaftsunternehmen hat, um auch für die Zukunft geerdet zu sein."
Beigeordneter Paul Ketzer umriss die zukünftigen Aufgaben der Stadt, die er nicht nur in der Rolle als Schulträger, sondern auch in der Verantwortung sieht, ein lokales Bildungsnetzwerk zu schaffen. Als mittelfristiges Projekt sieht er, Anstrengungen zu unternehmen, in Bottrop eine Einrichtung im Rahmen der Initiative "Zukunft durch Innovation" zu schaffen. Dieses Landesprojekt will mit speziellen Angeboten möglichst viele Schülerinnen und Schüler für ein ingenieur- und naturwissenschaftliches Studium gewinnen. "Es gibt zurzeit zehn Zentren im Land, insgesamt 25 sollen gegründet werden", so Ketzer. "Ich will nicht unbedingt fordern, dass nun das elfte nach Bottrop kommen muss, aber wir sollten alle Anstrengungen unternehmen, dass spätestens das 25. Zentrum hier vor Ort entsteht."
Technischer Beigeordneter Bernd Tischler fasste den Stand bei der Entwicklung und Nutzung regenerativer Energieformen zusammen. Das Projekt zur Nutzung von Wasserstoff als Energieträger, bei dem Bottrop Modellstadt sei, biete ein gutes Feld für eine zukünftige Kooperation mit dem entsprechenden Studiengang an der FH. In der Kokerei Prosper könnten große Mengen Wasserstoff hergestellt werden. Die Entwicklung eines Gewerbegebietes in der Nähe dieser Kokerei kann Betrieben, die auf diesem Markt agieren, eine Chance bieten. Auch andere Projekte, wie die Nutzung von Geothermie in einem neuen Baugebiet in Kirchhellen, stärkten die Kompetenz der Stadt auf diesem Feld. In die gleiche Richtung argumentierte Dr. Peter Fischer von der DSK. Vorstellbar sei nämlich, dass man Flächen, die nicht mehr für den Bergbau gebraucht werden, für regenerative Energien nutzen könne. Auch die DSK arbeite an der Nutzung der Geothermie. Vorstellbar seien aber auch der Einsatz von Biomasse, Solar- und Windenergie auf diesen Flächen.
(27.03.2009)
Lesen Sie auch hier:
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Projekt "Zukunftsstandort" benennt Aktionsfelder
Bericht vom 3. Februar 2009




