Bewerbung um "Fachhochschule Westliches Ruhrgebiet" im Finale
Überzeugende Präsentation fand heute in Düsseldorf statt.
Das Bewerbungskonsortium für die Ansiedlung einer Fachhochschule in Mülheim an der Ruhr und Bottrop hat heute ein überzeugendes Konzept für den Neubau der "Fachhochschule Westliches Ruhrgebiet" vor einer mehrköpfigen Jury der Landesregierung in Düsseldorf vorgestellt.
Die UnternehmerverbandsGruppe, die IHK zu Essen sowie die Städte Mülheim an der Ruhr und Bottrop erläuterten die Pläne für eine "vernetzte, internationale und unternehmerische FH mit offenen Strukturen, Ambiente und Flair" und einer Kapazität von 2.500 Studienplätzen. Die Fachhochschule soll ihren Hauptsitz in Mülheim an der Ruhr und einen Nebenstandort in Bottrop haben.
"Unsere Bewerbung um die FH Westliches Ruhrgebiet zeichnet sich durch ein überzeugendes Gesamtkonzept aus, das in guter Zusammenarbeit mit den beteiligten Städten, Forschungseinrichtungen und den Unternehmen der Region erarbeitet wurde. Darüber hinaus trifft das Vorhaben auf eine breite, parteiübergreifende politische Unterstützung. Ich bin davon überzeugt, dass wir gute Chancen haben", resümiert Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld das Ergebnis der heutigen Präsentation.
"Bottrop ist der größte Kohlerückzugsstandort in NRW. Mit rund 6.000 Beschäftigten im Bergwerk Prosper-Haniel, der Kokerei Prosper und den beiden Servicegesellschaften sowie weiteren Beschäftigten in Zulieferbetrieben sind unsere Stadt und das Umland besonders stark betroffen. Aus diesem Grund ist es für uns enorm wichtig, in Bildung und Qualifizierung und in Forschung und Entwicklung zu investieren. Bottrop möchte seine erfolgreiche Wirtschaftsförderungspolitik weiter fortsetzen. Eine Fachhochschule Westliches Ruhrgebiet wäre dafür ein hervorragendes Instrument", so Bottrops Oberbürgermeister Peter Noetzel.
Heinz Lison, Präsident der UnternehmerverbandsGruppe, weist auf die Besonderheit der FH-Bewerbung hin: "Wie an der Zusammensetzung des Bewerbungskonsortiums zu erkennen ist, ist unsere Bewerbung vor allem auch eine Bewerbung der Wirtschaft im westlichen Ruhrgebiet. Unser Konzept wird von der IHK zu Essen und ihren 48.000 Unternehmen im Kammerbezirk, den 700 Mitgliedsunternehmen der UnternehmerverbandsGruppe sowie von rd. 90 Unternehmen und drei Forschungsinstituten getragen, die sich mit konkreten Zusagen insbesondere für duale Studienplätze und Forschungskooperationen verpflichtet haben. Darüber hinaus wurden Kooperationen mit insgesamt 38 weiterführenden Schulen und Berufskollegs vereinbart, um die Übergangsquote in den MINT-Fächern zu erhöhen."
"Schon heute besteht bei den Unternehmen ein akuter Fachkräftemangel: 60 Prozent der Industrie- und 53 Prozent der Dienstleistungsunternehmen können laut jüngstem Konjunkturbericht der IHK's im Ruhrgebiet zurzeit ihre offenen Stellen nicht besetzen. Wir müssen dieser Entwicklung dringend entgegenwirken und der Aufbau einer Fachhochschule Westliches Ruhrgebiet ist ein Schritt in die richtige Richtung", findet auch IHK-Präsident Dirk Grünewald.
Jürgen Schnitzmeier, Geschäftsführer der Mülheim Business GmbH Wirtschaftsförderung, weist auf die besondere Standortqualität der FH Westliches Ruhrgebiet hin: "Die geplanten Standorte in Mülheim und Bottrop heben sich städtebaulich und funktonal von den nicht-integrierten Campus-Standorten im Ruhrgebiet ab. Der Hauptstandort in Mülheim liegt direkt an der Ruhr; im städtebaulichen Projektgebiet Ruhrbania, mit dem Mülheim in den nächsten Jahren ihre Innenstadt bis ans Wasser baut. Auch der Nebenstandort in der Hans-Sachs-Straße in Bottrop liegt zentral mitten in der Stadt und erfüllt alle Anforderungen an eine Hochschule."
Dr. Iring Wasser, Geschäftsführer der ASIIN-Consult GmbH, beschreibt das inhaltliche Konzept: "Die FH Westliches Ruhrgebiet ist eine vernetzte, internationale und unternehmerische Fachhochschule mit offenen Strukturen, Ambiente und Flair. Das Konzept ist regional abgestimmt und mit den Unternehmen, Schulen und wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen der Region vernetzt. Insgesamt werden 14 Studiengänge in den so genannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) vorgeschlagen, wie beispielsweise Energiesystemtechnik, Mechatronik, Angewandte Informatik oder Biomedizintechnik. Geplant sind sechs-semestrige Bachelor-Studiengänge - teilweise auch berufsbegleitend studierbar - bzw. duale Programme - mit vier-semestrigen Master-Studiengängen -, die teilweise auch berufsbegleitend studierbar sind."
Sechs Anträge auf Neugründung einer Fachhochschule und sieben Konzepte zum Ausbau bestehender Fachhochschulen erhalten heute und morgen die Gelegenheit, ihre Konzepte in der Endrunde des Wettbewerbs zum Ausbau der Fachhochschullandschaft in NRW zu präsentieren. Für die zweite Runde wurden folgende Antragsteller ausgewählt:
Neugründung
- Städte Mülheim, Bottrop, Unternehmerverbandsgruppe Duisburg, IHK zu Essen
- Städte Moers, Kamp-Lintfort, Neukirchen-Vluyn und Rheinberg
- Städte Hamm und Lippstadt
- Kreis Unna
- Kreis Kleve
- Kreis Minden-Lübbecke
Ausbau
- FH Aachen
- FH Bochum
- FH Dortmund
- FH Gelsenkirchen
- FH Köln
- FH Niederrhein
- Fachhochschulverbund Westfalen (Bielefeld, Münster, Ostwestfalen, Südwestfalen)
Diese Vorauswahl aus ursprünglich 22 Bewerbungen traf die vom Innovationsministerium eingerichtete Jury mit Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft unter der Leitung von Staatssekretär a.D. Dr. Fritz Schaumann. Die Landesregierung hatte zu diesem Wettbewerb aufgerufen, um in den kommenden Jahren durch den Ausbau der Fachhochschullandschaft in Nordrhein-Westfalen 10.000 neue Studienplätze zu schaffen. Drei neue Fachhochschulen sollen jeweils 2.500 Studienplätze anbieten. Fünf bereits bestehende Fachhochschulen, deren Konzepte sich im Wettbewerb durchsetzen, sollen um jeweils 500 Studienplätze ausgebaut werden. Bis zu 5.000 dieser insgesamt 10.000 neuen Studienplätze sollen in den vom Rückzug des Steinkohlebergbaus betroffenen Regionen geschaffen werden.
Bis Ende November wird die Jury nun eine Empfehlung erarbeiten. Auf der Basis dieser Empfehlung will die Landesregierung Mitte Dezember eine Kabinettentscheidung treffen, welche Fachhochschulen in den nächsten Jahren neu- beziehungsweise ausgebaut werden sollen. Spätestens 2013, wenn der so genannte Doppelabitur-Jahrgang durch die auf 12 Jahre verkürzte Schulzeit erstmals zum Tragen kommt, sollen die 10.000 neuen Studienplätze in den MINT-Fächern zur Verfügung stehen.
(31.10.2008)



